Mensch Dave Filmkritik von Florian Hösch


FSK: 6

Laufzeit: 91 Minuten

Originaltitel: Meet Dave

Schauspieler: Eddie Murphy, Elizabeth Banks, Gabrielle Union, Scott Caan, Pat Kilbane

Dave Ming Cheng. Wohnhaft in der Freiheitsstatue. Nur im weißen Anzug unterwegs. Sammelt außerirdisches Meteoritengestein. Und, ach ja: Eigentlich ist er ein Raumschiff für ein Volk von Weltraumzwergen. Auf der Erde ist er nur aus dem Grund, seinen eigenen Planeten vor Energiekrisen und Untergang zu bewahren. Grob gesagt: Dave ist ein kleines bisschen anders. Man möchte es nicht meinen, aber er schafft es, selbst im kunterbunten New Yorker Stadtleben aufzufallen. Die Unerfahrenheit der Crew und die holprige Bewegungskoordination sorgen jedenfalls für einiges an Verwirrung. Ein Glück, dass die Besatzung auf den einheimischen Erdenjungen Josh trifft. Doch mit dem Einleben in die ungewohnte Situation kommt eine neue Gefahr: Menschliche Emotionen machen sich breit...

Storyline:   45 %

Komödien und Stories beißen sich ja immer zu einem gewissen Grad. Meistens ist es die Aufgabe der Handlung, dem Humor einen angemessenen Rahmen zu bieten. So auch hier. Denn, wenn man die Story an sich analysiert, bleibt nicht viel stehen. Ein Roboter läuft im Big Apple umher, auf der Suche nach einem Meteoritenstein. Der wird dringend benötigt, den Heimplaneten vor dem Untergang zu bewahren. Nach mehreren Stationen kommt das Unvermeidliche: Stress mit den Autoritäten und die obligatorische Liebesgeschichte.

Mehr ist es auch nicht. Die Story ist zwar sehr abgedreht, aber dafür nicht unbedingt tiefgreifend. An zahlreichen Stellen im Mittelteil sieht man es: Das Hauptanliegen von "Mensch Dave" ist es, Gags aneinanderzureihen. Die witzigen Probleme zu zeigen, die ein Robotermensch in New York hat. Insgesamt sehr linear und auch mit wenigen überraschenden Wendungen. 0815 eben.

Gegen Ende verpasst die Handlung leider auch noch die Kurve und versumpft im Kitsch. Von einigen Logikfehlern ganz abgesehn. Da hätte man sich sicher noch etwas besseres überlegen können!

Action/Fesselfaktor:  10 %

Um die Action ist es karg bestellt. Kurz gesagt: Bis aufs Finale bleibt sie weitgehend ganz aus. Was für einen FSK 6 Film ja auch angemessen ist. Das letzte Drittel wartet dafür mit den beeindruckenden Folgen eines Alienwaffensystems auf. Wenn Eddie Murphy mit seinem Finger auf einen zeigt, sollte man wirklich schnell das Weite suchen.

Spannung wird man hier auch vergeblich suchen. Es ist praktisch keine vorhanden. Lediglich die ganz jungen Zuschauer könnten sich mitgerissen fühlen. Wirklichen Anlass dazu haben die älteren jedoch kaum, obwohl der Film Spannung durchaus beabsichtigt zu haben scheint.

Specialeffects/Technische Umsetzung:   60 %

Spezialeffekte hat "Mensch Dave" dafür schon mehr zu bieten. Und die sind im großen und ganzen auch recht ordentlich. Die Windhose am Ende erscheint zumindest dem momentanen Effektstandard angemessen. Dann gibt es aber wiederum auch Stellen, wo man sich bei genauerem Hinsehen an den Kopf greift. Eddie Murphy und Gabrielle Union sind vor ruhigem Hintergrund in ihrer verkleinerten Form sicher überzeugend. Bewegt sich aber die Welt um sie herum, sieht man mitunter schonmal genau, dass ein Computer-Eddie mit seltsam glatten Gesichtszügen über die Leinwand fegt. Die Geschwindigkeit, mit der die beiden herumgeschleudert werden, kaschiert dann doch nicht alles.

Die Kameraführung entspricht dafür einem guten Standard und wahrt stets die Übersichtlichkeit.

Besetzung:  45 %

Die Besetzung teilt sich in zwei Lager. Zum ersten gehören unter anderem Hauptdarsteller Eddie Murphy, Elizabeth Banks und Gabrielle Union. Deren schauspielerische Leistung ist sehr zufriedenstellend. Besonders Eddie Murphy weiß in seiner Rolle als Dave zu glänzen. Die geforderten mechanischen Bewegungen und Gesichtsverziehweisen muss man erstmal hinbekommen. Murphy meistert das hervorragend, auch wenn sich irgendwann alles nur noch wiederholt.

Das zweite Lager ist das, was zum eher peinlichen Overacting neigt. Ed Helms und Pat Kilbane fallen in diese Abteilung. Deren Rollen als Nr. 2 und Nr. 4 sind zwar wahrscheinlich schon übertrieben angelegt. Aber besonders Ed Helms verstärkt den ungewollt komischen Eindruck eines meuternden Crewmitgliedes mit übertriebener Autoritätsdarstellung noch.
Neben den beiden haben es auch noch andere etwas zu gut mit ihrer schauspielerischen Leistung gemeint.

Funfaktor:  60 %

Nun zum Punkt, der eine Komödie mehr als alles andere ausmacht: dem Funfaktor. "Mensch Dave" legt es krampfhaft darauf an, komisch zu sein. Es gibt wirklich einige sehr witzige und gelungene Abschnitte. Lacher sind also garantiert. Aber dann gibt es wieder Szenen, die zwar unbedingt zum Lachen bringen wollen, es aber einfach nicht schaffen.
Der Löwenanteil des Humors geht auf die mechanische Gestik und Mimik von Roboter Dave zurück. Das weiß vor allem am Anfang Lacher ohne Ende zu ernten. Aber nach einer gewissen Zeit wiederholt sich alles nur noch. Man kennt bereits jeden noch so komischen Gesichtsausdruck. Und auch so manche Aussage wird mehr als einmal zu oft wiederholt.

Durchaus witzig. Der Durchhänger am Ende macht dabei aber noch einiges kaputt. Die manchmal schwierige Synchronisation ebenfalls. So bleibt ein nur mittelmäßig lustiger Film zurück.

Taschentuchquote:  20 %

Wirklich tiefgreifend emotionale Szenen weist "Mensch Dave" eigentlich nicht auf. Die Liebesgeschichte ist zwar schön, aber sehr voraussehbar. Sanfte Gemüter mögen zwar hier schon Tränenfluss zu beklagen haben. Der große Kitsch am Ende sollte aber für den größten Tränenfluss sorgen. Manches ist so idealtypisch nach dem Filmhandbuch gestrickt, dass man einfach nur noch die Tränen laufen lassen kann - ob wegen emotionaler Gerührtheit oder dank tiefer peinlicher Berührtheit.

Soundkulisse:  50 %

Die Musik geht insgesamt eher in Richtung Hip Hop. Discosounds und Tanzbares sind auch in nicht zu geringer Zahl dabei. Eine recht stimmige Angelegenheit. Es muss einem eben gefallen. Ein- oder zweimal sind auch fast schon epochal klingende Zwischenstücke eingestreut. Etwa, wenn der Weltuntergang droht. In Bezug zum Rest des Soundrepertoires vielleicht ein bisschen übertrieben. Da mag sich jeder selbst eine Meinung drüber bilden.

Ähnliche Filme

Hier fallen eigentlich nur Filme mit Hauptdarsteller Eddie Murphy ins Auge. Seine bekannteste Rolle hatte er wohl bisher in "Beverly Hills Cop" aus dem Jahre 1984. Davon existieren auch zwei weitere Sequels, in denen er eher den Coolen als den Komischen mimt.
Wer einen komödiantischen Murphy bevorzugt fühlt sich vielleicht mit "Der Verrückte Professor" von 1996 besser beraten. "Doctor Doolittle" ist wahrscheinlich noch weitaus bekannter. Der 2007 erschienene "Norbit" zeigt Murphy ebenfalls von seiner witzigen Seite. Alles Filme, die man sich in einer freien Minute mal ansehen sollte, um sein Gemüt zu erleichtern.

Fazit

"Mensch Dave", was hast du dir dabei nur gedacht? So schräg wie die Hauptfigur kommt auch der ganze Film daher. Die Story gehört sicherlich nicht zu den Höhepunkten der Filmgeschichte. Eine lose Aneinanderreihung von Gags, so scheint es. Wenig Raum für eine wahre und ausgefallenere Geschichte. Abgedreht mag sie zwar sein, aber dafür auch vorhersehbar und unkreativ. Der Durchhänger am zu kitschig geratenen Ende macht das Bild nicht unbedingt schöner. Immerhin kann der Film einige verdiente Lacher abernten. Besonders zu Beginn wird das Grinsen zur Gewohnheit. Ab der Hälfte dreht sich die Waage allerdings und es wird wenig Neues geboten. Alles war irgendwie schonmal da und wird zunehmend ausgelutscht. An Eddie Murphy liegt es nicht. Seinen Job erfüllt er grandios. Manch anderer Schauspieler neigt dagegen zu einer leicht überzogenen Darstellung der eigenen Figur.

Das alles macht "Mensch Dave" zu einer eher mittelmäßigen Sommerkomödie. Ein Film für Zwischendurch, den man sich zu 55 % mal zu Gemüte führen sollte.

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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