Saw 4 Filmkritik von Florian Hösch


FSK: Keine Jugendfreigabe

Laufzeit: 95 Minuten

Originaltitel: Saw IV

Schauspieler: Tobin Bell, Shawnee Smith, Scott Patterson, Angus Macfadyen, Costas Mandylor

 

"Schätze dein Leben" war seit eh und je das Motto des sadistischen John Kramer alias Jigsaw. In den von ihm gestellten "Spielen" hatte das Opfer stets die Gelegenheit, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Die Fallen schnappten jedoch in der absoluten Mehrzahl der Fälle vorher zu, sodass nur Wenige ihr Leben wieder zu schätzen lernten. Nun ist Jigsaw selbst den Weg alles Irdischen gegangen. Seine Grausamkeiten scheinen ein für allemal beendet. Doch ein sadistischer Geist findet immer einen Weg: die Obduktion des Toten fördert eine Kassette aus seinem Magen zu Tage. Die Polizei ist zurecht besorgt, denn: Die Spiele haben gerade erst begonnen.

Storyline:   40%

Eine weitere kranke aber gleichzeitig in gewisser Hinsicht charmante Geschichte um den gestörten Psycho Jigsaw? Krank sicherlich...aber es fällt schon bald auf, dass der Charme des ersten Teils zunehmend außer Reichweite bleibt. Wie schon Saw II und III nicht mehr an Teil I herankamen, so fällt "Saw IV" storytechnisch noch ein Stück weiter ab.

Der vierte Teil bietet im Grunde nur eine Schnitzeljagd durch die halbe Stadt, die lediglich durch jede Menge Blut besticht. An Innovationen ist allerdings wenig zu finden. Schon die Obduktion zu Beginn macht den Hang der Handlung zum Metzgerhandwerk deutlich und so geht es auch den ganzen Film weiter. Je mehr Blut, desto besser scheint sich hier die Filmcrew gedacht zu haben. Die beengende, mysteriöse Atmosphäre aus dem ersten Teil ist jedoch verloren gegangen und der Charme von "Saw IV" mit ihr.

Teil 4 ist eigentlich nur aus einem Grund von Interesse: Man erfährt durch etliche Blicke in die Vergangenheit John Kramers endlich etwas über seine Motive und Beweggründe. Es wird aufgelöst, wie er zu so einem kranken Psychopaten werden konnte und dass er nicht immer ein so verquerer Geist war. Dieser Gesichtspunkt ist das einzig wirklich Interessante an der ganzen Story. Die sonstige Hatz des Polizisten Rigg und auch seiner Kollegen durch die Stadt bietet dagegen kaum Neues.

Action/Fesselfaktor:   45%

Welche Action ist typisch für Saw-Filme? Die zuschnappenden Fallen und die gewaltbereiten Protagonisten natürlich! Im Vergleich zu Teil 1 wird hier wieder mehr Wert auf Quantität als auf Qualität gelegt. Die Fallen werden immer blutiger und auch die Gewalt der Protagonisten nimmt mehr und mehr zu. Das ist schön und gut und mag Manchen auch begeistern, aber trotzdem ist es keine so befriedigende Lösung wie in "Saw I". Es ist zuviel des Guten und gleichzeitig fehlt Irgendetwas.

Mit Spannung ist in "Saw IV" überhaupt nichts zu wollen. Man sollte doch meinen, dass ein Film mit so einer Thematik ein gutes Potential für fesselnde Momente hat. Dennoch kommt kaum Spannung auf. Es gibt vielleicht ein, zwei Stellen an denen man ganz kurz leicht unter Strom steht, aber selbst da wird man durch die bestehende Voraussehbarkeit enttäuscht. Die 90 Minuten, die Rigg zur Rettung seiner Kollegen Zeit hat, plätschern erstaunlich langweilig vorbei.

Specialeffects/Technische Umsetzung:   55% 

Die Spezialeffekte sind in den Saw-Filmen wohl weitgehend mit den Fallen gleichzusetzen. Davon gibt es im vierten Teil der Reihe genügend. Es ist von allem etwas dabei: Vierteilmaschine, Rippenbrecher, Opfer am Spieß und Elektroschock. Das Repertoire ist also groß, die Menge an fließendem Blut ist noch größer. Insgesamt zwar viel Abwechslung, aber mal wieder fehlende Innovation. So makaber es auch klingt: den Maschinen fehlt das Herz wie es in Teil 1 noch vorhanden war. Auch hier gilt eher Quantität statt Qualität.

An der Kameraführung gibt es an sich wenig auszusetzen. Übersichtlich gibt sie das Geschehen wieder und bewegt sich ohne große Höhen und Tiefen im guten Mittelfeld.

Besetzung:   40%

Die Schauspieler in "Saw IV" sind mal wieder unbekanntere Gesichter. Es kommen jedoch auch etliche Rollen aus vorherigen Teilen vor: Shawnee Smith als Amanda, Donnie Wahlberg als Eric Matthews aus Teil 2, Angus Macfadyen als Jeff Reinhart aus Teil 3 und natürlich Tobin Bell als Jigsaw. Hinzu kommen einige neue Cop-Rollen, so z.B. der neue Protagonist Rigg, der von Lyriq Bent gespielt wird. Letzterer findet sich in seiner Rolle ganz gut zurecht, glänzt aber trotzdem nicht unbedingt durch große schauspielerische Leistungen. Ähnliches ist über die meisten anderen Darsteller zu sagen, die ihren Charakter alle eher bleich darstellen. Einzig Tobin Bell als John Kramer weiß in seiner hintergründigen Art wie schon in den vorhergehenden Teilen zu überzeugen.

Funfaktor:   5%

Wer "Saw IV" aufsucht, um mal wieder ordentlich zu lachen, muss schon äußerst sadistisch veranlagt sein, um seinen Wunsch erfüllt zu bekommen. Neben all dem Blut und dem Tod bleibt wenig Raum für Komik oder Humor. Lediglich der ein oder andere Kraftausdruck, sowie die teilweise gegebene Voraussehbarkeit des Kommenden kann ein Lachen zur Folge haben. Lustig ist dieser Film in keinem Fall.

Taschentuchquote:   10%

Sowenig Humor wie der Film bietet, sowenig Tragik und Trauer hält er bereit. Auch hier gibt es im Grunde nirgends eine Stelle, an der man sich großartig zum Weinen oder auch nur zum Mitfiebern veranlasst fühlen könnte. Die Zahl der Todesfälle ist dank den ganzen Fallen zwar hoch. Man ekelt sich aber mehr vor dem, was man sieht, als dass man den Opfern nachtrauert. Die Charaktere sind ohnehin - mit Ausnahme von Jigsaw - eher schwach beleuchtet und ein sterbender Vergewaltiger hat nicht zwangsläufig den Griff zum Taschentuch zur Folge.

Soundkulisse:   35%

Auch musikalisch gibt es eher wenig zu sagen. Mal davon abgesehen, dass die Musik im Abspann nicht im Geringsten zum Film passt, ist die Untermalung des Geschehens mit Sound weitgehend wie bei den Vorgängern. Die passenden Soundeffekte kommen im passenden Augenblick, um Spannung zu erzeugen. Dass kaum Spannung vorhanden ist liegt wohl nur zum Teil an der Soundkulisse. Insgesamt ist der Sound zwar nichts berühmtes, grottenschlecht ist er aber auch nicht. Er liegt wohl irgendwo im unteren Mittelfeld. 

Ähnliche Filme

Wer einen ähnlichen Film wie diesen hier sehen will, sollte sich natürlich - falls nicht schon geschehen - Saw I - III organisieren. Besonders der erste Teil, in dem das ganze Spiel beginnt, ist sehr sehenswert und als bester Teil der Reihe nicht nur einen Blick wert. Auch Teil II und III können den Fan begeistern, auch wenn sie nicht mehr ganz an das Original Saw herankommen. Erst wenn man alle drei Vorgänger gesehen hat, ergibt "Saw IV" Sinn und ein vollständiges Gesamtbild der Reihe.

Freunde des Gemetzels könnten auch in Hostel 1 und 2 ihren Segen finden. Noch mehr als in Saw gibt es hier Metzgerszenen zur Genüge, ausreichend um den geneigten Zuschauer zufriedenzustellen.

Fazit

Zum vierten mal wird die Säge ausgepackt: "Saw IV", ein weiteres Sequel der beliebten Reihe. Doch langsam scheint sich die Routine einzuschleichen. Wo der erste Teil noch auf ganzer Linie überzeugen konnte, fängt der vierte zu wanken an. Die Story weicht zunehmend wachsender Brutalität und wird auf einen Außenposten abgeschoben. Dafür erreichen die Blut- und Ekeleffekte wie etwa bei der anfänglichen Obduktion einen Höhepunkt und werden fast schon zuviel. Die Fallen nehmen zwar an Zahl und Grausamkeit weiter zu, lassen aber nötige Innovation vermissen. Trotz eigentlich vorhandener Grundlage schaffen es die eher durchschnittlichen Schauspieler außerdem nicht, die zu erwartende Spannung zu erzeugen.

Insgesamt eine etwas langweilige, dafür aber umso brutalere Fortsetzung der Saw-Reihe, die an den Ruhm des ersten Teiles bei weitem nicht anknüpfen kann. Wer den Anblick von Blut und ausgenommenen Leichen ertragen kann, an den gehe die 40% Empfehlung für diesen Film. 

 

Florian Hösch

 

Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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