Wall-E Filmkritik von Florian Hösch


FSK: -

Laufzeit: 98 Minuten

Originaltitel: Wall-E

Grüne Wiesen und freie Natur gehören schon lange der Vergangenheit an. Seit nunmehr 700 Jahren hat die Menschheit der Erde den Rücken gekehrt. Bei all den unwirtlichen Müllbergen auch kein Wunder. Einst Wiege zahlloser Zivilisationen ist der blaue Planet nur noch ein lebloser Schrottplatz. Naja, vielleicht leblos, aber noch nicht ganz unbewohnt. Wall-E, kurz für Waste Allocation Load Lifter - Earth Class, ein kleiner Roboter, ist der einzig verbliebene Bewohner. Und die Jahre des einsamen Aufräumens haben ihre Spuren hinterlassen. Denn Wall-E hat eine Persönlichkeit. Und den für Maschinen ungewöhnlichen Drang nach Liebe. Als eines Tages die blauäugige Roboterlady Eve auftaucht wird Wall-E mit einer nur zu menschlichen Erkenntnis konfrontiert: Frauen bedeuten (ungewollte) Abenteuer

Storyline:  65 %

Die Story ist im Prinzip ziemlich simpel: Die Menschheit hat die zugemüllte Erde verlassen und hat die Ambition, eines Tages zurückzukehren. Und einem gewissen kleinen Roboter fällt dabei eine nicht unbedeutende Aufgabe zu. Insgesamt leicht nachzuvollziehen und eben kindergerecht. Aber zugleich auch lehrreich mit einem Wink in Richtung Umweltprobleme.

"Wall-E" ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe und von unerwarteter Hoffnung. Dialoge werden dafür erstaunlicherweise kaum gebraucht. Denn das Sprachrepertoire der Maschinen ist nunmal recht eingeschränkt und geht kaum über 3 sprachliche Zeichen und eine handvoll menschlicher Laute hinaus. Ganz ohne sprechende Protagonisten kommt mitunter schonmal Langeweile auf. Zum Glück kommen ab der Hälfte des Filmes aber auch sprachbegabtere Charaktere ins Spiel.

Action/Fesselfaktor:  30 %

Der Film hat keine FSK und dementsprechend muss man sich auch die Action vorstellen. Es muss kindergerechte Kost serviert werden. Abgesehen vom ein oder anderen harmlosen Rumgeballere seitens Eves ist daher auch wenig Action geboten.

Die Spannung fährt auf einem ähnlichen Abstellgleis. Wirklich spannend wird es für den Erwachsenen kaum. Als Kind ist man dafür sicher umso mitgerissener, vor allem beim Finale.

Eher leichte Kost, aber der Sinn des Filmes ist ja auch ein anderer.

Specialeffects/Technische Umsetzung:  85 %

Was "Wall-E" wirklich versteht ist grandiose Bilder auf Zelluloid zu bannen. Die Animationen sind schlichtweg wunderschön und beinahe makellos. Selbst eine schrottreife Erde findet so im richtigen Licht den Gefallen des Zuschauers. Animations- und effekttechnisch auf einem ganz hohen Niveau. Einzig die Menschen scheinen nicht ganz so gelungen wie der restliche Augenschmaus.

Auch kameratechnisch gibt es nichts Wesentliches zu beanstanden. Der lebhafte Mechano-Protagonist wird ausnahmslos aus der richtigen Perspektive präsentiert. Hier waren Könner am Werk!

Funfaktor:  45 %

Es ist natürlich schwierig, einen weitgehend dialoglosen Film wirklich lustig zu gestalten. Trotzdem ist den Machern ein charmvoller Humor geglückt, der zu unterhalten weiß. Mit einigen lustigen Momenten muss man schon rechnen. Vor allem Wall-Es nonverbale Gesten provozieren die Lachmuskulatur. Aber auch hier gilt: Kinder lachen mehr als Erwachsene. Der jugendfreie Humor kann allerdings mit Sicherheit auch den geneigten Erwachsenen begeistern. Für den knallharten Schwarzhumoristen ist "Wall-E" aber nur mittelmäßig lustig.

Taschentuchquote:  80 %

Wenn "Wall-E" neben den wunderschönen Bildern noch eine große Stärke hat, dann ist es das Gefühl. Wall-E als Roboter und Film ist einfach süß und sympathisch. Menschlicher als mancher Mann entdeckt er die Liebe in einer trostlosen Umwelt. Eine Geschichte, die einfach emotional mitzureißen weiß. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Mit dem Kleinen kann man sich klasse identifizieren. Umso verständlicher, dass am Ende große Gefühle aufkommen.
Ein echt bewegender Film!

Soundkulisse:  75 %

Der Sound bietet so Einiges. 60er Jahre, die es Wall-E angetan haben, treffen auf futuristisch-mechanische Klänge. Ein guter Mix, der vor allem hervorragend zum Film passt. Mal wieder eine sehr atmosphärische Angelegenheit, die nicht zuletzt zur Emotionalität des Films beiträgt.

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Wer Vergleichbares zum neusten Streich der Pixar Studios finden will, sollte ein bisschen in deren vergangenen Projekten kramen. Gerade "Ratatouille" von 2007 sticht hier ins Auge: Ein klasse Animationsfilm mit Witz, Esprit und nebenbei einem gewonnenen Oscar.
"Findet Nemo" war ein ähnlicher Blockbuster, der "Monster AG" nochmal übertrumpft hat. Beides lustige, wenn auch kindergerechte Animationsfilme, die sich ihren Ruf verdient haben. Mehr als einen Blick wert.

Fazit

Zur Abwechslung beißen den Letzten mal nicht die Hunde. Nein, er darf die Erde aufräumen. Ein Job, den Wall-E vorbildlich erledigt. Seine Aktionen sind zwar nicht unbedingt actiongeladen, aber doch auch nicht langweilig. "Wall-E" ist eben zum Großteil ein Kinderfilm und als solcher erfährt auch nur die Zielgruppe die entsprechende Spannung. Für den Witz gilt Ähnliches. Vor allem die jüngeren Zuschauer werden aus dem Lachen kaum noch herauskommen. Den Älteren präsentieren sich zwar einige ganz lustige Stellen, das wars aber auch schon. In jedem Fall werden neben großen Bildern auch große Gefühle gezeigt, die jeden in gewissem Maße mitreißen. Verpackt in eine simple, aber lehrreiche Story ergibt sich ein rundum solider Animationsfilm.

An die junge Zielgruppe ergeht eine Empfehlung von verdienten 85%. Skeptische Erwachsene sollten sich das einfach süße Leinwandspektakel mit gut gemeinten 60% ebenfalls nicht entgehen lassen.

Florian Hösch

 

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Die Meinung des Autors ist nicht zwingend identisch mit der des Herausgebers



 


 
 

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