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3x 3D

Warum sieht Avatar so gut aus ?

Das Supermodel des 3D-Hypes ist "Avatar", der mittlerweile mehr als 2,7 Milliarden Dollar eingespielt hat. Hier war die Wirkung der räumlichen Effekte überzeugender als bei allen früheren Anläufen. Das hat mehrere Gründe. Als einer der wenigen neuen 3D-Filme wurde Avatar tatsächlich in 3D aufgenommen. James Cameron hat dafür gleich mehrere Kamerasysteme mitentwickelt, die er entsprechend gut beherrscht. Seinen ersten 3D-Film drehte er schließlich schon 2003 ("Titanic - Ghosts of the Abyss"). Cameron dreht also in 3D weil er will und weil er das Metier kennt und nicht weil irgendein Studio ihn dazu drängt  Allerdings sind in "Avatar" die wenigsten Szenen tatsächlich real. Im Prinzip ist Avatar ein Animationsfilm mit den entsprechenden Vorteilen (siehe oben) einer komplett digitalen Produktionskette. Den nicht unerheblichen Rest des überwältigenden Eindrucks erledigt die Sorgfalt und Detailliebe der Animateure. Die haben hier nämlich erheblich detailliertere, nahezu fotorealistische Hintergründe entworfen, die nichts mit dem Cartoonlook klassischer Trickfilme zu tun haben und auch nicht so flach aussehen, wie die gemalten Landschaftstapeten in alten Hollywoodschinken (die allerdings ihren ganz eigenen Reiz haben).


Avatar © 20th Century Fox

Der beste 3D-Film der näheren Zukunft dürfte daher erneut Avatar sein. Denn im Spätsommer kommt eine leicht verlängerte Fassung nochmal in die Kinos. Und wir dürfen hoffen, dass Avatar 2 im Jahr 2013 fertig ist. Wobei man James Cameron durchaus einen neuen Qualitätssprung zutrauen darf. Schon bei Avatar hatte er ein noch besseres 3D-Bild im Sinn, das ihm seine Techniker aber (vorerst) ausgeredet haben.

Hält der 3D-Hype an ?

In den vergangenen zwei Jahren wurden viele Hollywoodvertreter nicht müde, 3D als die Zukunft des Kinos anzupreisen. In letzter Zeit mehren sich aber die Stimmen, die dem Boom ein ähnlich unrühmliches Ende prophezeien wie bereits in den 50ern, 60ern und 80ern.

Dagegen spricht vor allem eins: Heutzutage liefern sich ungleich mehr Firmen einen Wettlauf um die beste 3D-Technik. Dadurch sind in naher Zukunft immer neue Fortschritte zu erwarten. Bei den früheren Vorstößen in die dritte Dimension waren zudem kaum Blockbuster in dem Format zusehen. Heute engagieren sich dagegen die ganz Großen für 3D, nicht nur James Cameron, sondern auch George Lucas, der "Star Wars" konvertieren will sobald die Technik ausgereift ist, sowie Peter Jackson und Steven Spielberg, die gemeinsam "Tim & Struppi" in ein dreidimensionales Abenteuer jagen. Ein paar Jahre wird der Boom also auf alle Fälle andauern.

Inzwischen drängt der 3D-Hype zudem mit Macht auch ins Wohnzimmer. Und die großen Technikkonzerne, die oft mit den Filmstudios eng verbandelt sind, werden ganz sicher dafür sorgen , dass das Futter für ihre neuen Goldesel ausreichend und regelmäßig geliefert wird.


3D ist nicht gleich 3D

Den größten Anteil der 3D-Produktionen machen pure Animationsfilme wie "Toy Story 3" , "Ice Age 4 " "Legende der Wächter" oder "Für immer Shrek" aus. Deren Bilder liegen ohnhin immer in 3D vor. Nichts umsonst spricht man von 3D-Animation. Um sie auch in 3D zu sehen, müssen die Bilder nur noch von zwei Kameras aufgezeichnet werden, statt von einer, wie bei normalen Filmen. Kein Problem, denn bei Computertrickfilmen existieren nicht nur die Bilder sondern auch die Kameras nur im Rechner. Theoretisch könnte eine Szene so aus jedem vorstellbaren Winkel ausgezeichnet werden. Für 3D braucht´s aber nur eine zweite Kamera gleich neben der ersten.
Und das funktioniert auch nachträglich bei älteren Filmen, wie bereits bei Toy Story 1 & 2 passiert. Bei "normalen" Filmen ist ein Nachdreh dagegen schwierig, wenn die Schauspieler weg und die Kulissen demontiert sind. Weitere Vorteile von 3D-Trickfilmen: Die ganze Arbeit findet im Rechner statt, und selbst bei aufwändigen Produktionen sind die Objekte im Bild weniger detailliert, mit klaren Umrissenund weniger Farben als bei realen Filmen. Das macht die Nachbearbeitung nochmal einfacher.


Toy Story 3 © Walt Disney

Das Problem der animierten Filme: Bisher waren dort die Hintergründe nicht wichtig und entsprechend oft nicht sonderlich detailliert. Beim 3D-Bild mit seinem tollen Raumeindruck fällt es viel stärker auf, wenn im Hintergrund nur lieblose, flache Texturen zu sehen sind. Hier werden die Animateure in Zukunft ein paar Überstunden einlegen müssen.

Bei den "realen" Spielfilmen ist die Arbeit mit 3D aber jetzt schon erheblich aufwändiger. Die immer noch sehr komplizierten und klobigen Kamerasysteme haben zwei Objektive, die von einem zusätzlichen Spezialisten justiert und gepflegt werden müssen. Zudem müssen die Filmemacher schon bei der Gestaltung der Szenen an 3D denken. Arbeitsmethoden, die bisher Standard waren, sind auf einmal ungeeignet. Das gilt zum Beispiel für Dialogszenen. Wenn die Kamera zwischen Gesprächspartnern ständig hin und herwechselt, kann dem Zuschauer in 3D schnell schwindelig werden. Viele Regisseure haben es darum bereits abgelehnt, in 3D zu drehen weil es die Kosten in die Höhe treibt und die Dreharbeiten verlängert. Das könnte sich aber in Zukunft ändern, wenn die 3D-Nachfrage anhält, die Kameras kleiner, und die Technik alltäglicher wird.


Resident Evil - Afterlife ©Constantin Film

Aber nur wenige der in diesem Jahr anlaufenden "realen" Spielfilme sind bereits tatsächlich mit 3D-Kameras gedreht worden. Dazu zählen etwa "Streetdance 3D" und "Resident Evil 5 - Afterlife". Der Rest der mit 3D beworbenen Realfilme wie "Piranhas 3D" oder "Harry Potter 7" wurden erst nachträglich mit 3D gepimpt. Sie wurden konvertiert. 

Was bedeutet die 3D-Konvertierung ?

Ein in 3D konvertierter Film ist ein ganz gewöhnlicher (flacher) Film, der im Computer nachbearbeitet wird. Von jedem Bild eines normalen 2D-Films ist nur ein Blickwinkel vorhanden. Für den 3D-Effekt werden jedoch zwei leicht unterschiedliche Blickwinkel benötigt. Jedes einzelne Bild wird für die Konvertierung darum digitalisiert, analysiert und dann entschieden, welche Bildbereiche, etwa Personen oder Gegenstände nachbearbeitet werden sollen um sie vom Hintergrund abzuheben. Das passiert ähnlich wie das nachträgliche Einfügen von Spezialeffekten. Wenn das schlecht gemacht wird entstehen aber oft 3D-Bilder, bei denen Personen und Gegenstände wie Pappaufsteller in der Landschaft stehen. Und je komplexer und detailreicher die Bilder und je hektischer die Schnitte, desto aufwändiger ist die Bearbeitung, desto leichter ist der Job zu vermasseln und desto leichter sind Zuschauer genervt, deren Augen sich im Sekundentakt an das Gesehene anpassen sollen, statt sich auf den eigentlichen Film zu konzentrieren. Gerade die tricklastigen, ohnehin teuren Effektspektakel sind also besonders schwer in 3D zu konvertieren. Kein Wunder, dass ausgerechnet der Technikfetischist Michael Bay ("Transformers") mit seinen detailreichen, schnell geschnittenen Actionfilmen von 3D nichts wissen will. Und auch Avatar-Regisseur James Cameron lehnt die nachträgliche Aufbrezelung als minderwertig ab.


Kampf der Titanen © Warner Bros.

Oft werden nach dem Dreh diverse, oft relativ junge Drittfirmen mit der Konvertierung beauftragt. Bild für Bild knöpfen die sich das Filmmaterial vor. Oft habe sie das Verfahren aber noch nicht optimal im Griff und die Qualität schwankt, wie am enttäuschenden "Kampf  der Titanen" und dem auch kaum überzeugenden "Alice im Wunderland" zu sehen. Derzeit ist die nachträgliche 3D-Konvertierung ein aufwändiger Prozeß, der viel Handarbeit verlangt, viel Geld und Zeit erfordert. Wenig hilfreich ist sicher auch der Zeitdruck, damit die Filme parallel in 2D und 3D ins Kino kommen. Man darf hoffen , dass die Studios die Konvertierung im Laufe der Zeit besser in den Griff bekommen und (wie bei Mad Max 4) bereits beim Dreh berücksichtigen. Oder gleich in 3D drehen. 



 


 
 

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