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Rammstein Paris: Konzertfilm erfolgreicher als Die Schöne Und Das Biest

©  FILM.TV | News
 
24.03.2017 12:50
 

Die Rocker um Frontmann Till Lindemann haben während eines Gigs ein paar Kameras laufen lassen und sind damit im Kino erfolgreicher als die 160 Millionen Dollar teure Hollywood-Produktion Die Schöne Und Das Biest! Der Konzertfilm Rammstein Paris hat allein am Donnerstag 600.000 Euro eingespielt, meldet BlickpunktFilm. Kein anderer Kinofilm kam daran vorbei. Auch nicht der neue Disney-Film mit Emma Watson als schöne Belle.

Damit geht der ausgeklügelte Marketing-Plan von Rammstein auf. Die zeigen ihren Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2012 nämlich nur an drei Tagen im Kino und mobilisierten damit rund 45.000 Rammstein-Fans, die alle eine Kinokarte lösten. Die letzte Chance Rammstein Paris auf der großen Leinwand zu sehen ist übrigens der 29. März 2017. Hier zwei kurze Trailer zur Show von Till Lindemann, Richard Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Doom und Flake - kurz: Rammstein!

Trailer 1

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Rammstein Paris

Trailer 2

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Rammstein Paris

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Rammstein Paris: Konzertfilm erfolgreicher als Die Schöne Und Das Biest: Infos & Links

Ein Konzert der Band Rammstein auf Film zu bringen, ist eine außerordentlich schwierige Aufgabe. Den ge- waltigen Sound, die Menge an visuellen Eindrücken, die Details und großen Gesten so einzufangen, dass auch die Kinozuschauer die Rammstein-Experience nachempfinden können: Wer das schaffen will, muss einerseits die unmittelbare Nähe zum Bühnengeschehen vermitteln, andererseits den Blick aus der Totalen, drittens die Aufregung des Dabeiseins — und die Musik muss brachial gut klingen.

Der Konzertfilm RAMMSTEIN: PARIS setzt hier einen neuen Maßstab. Während der „Made in Germany“-Tour drehte der gefeierte schwedische Regisseur Jonas Åkerlund im März 2012 bei zwei umjubelten Ramm- stein-Konzerten, die vor jeweils 17.000 Zuschauern im Palais Omnisports in Paris stattfanden. Der Film, der daraus entstanden ist, ist (mit 16 Songs aus dem gesamten Repertoire) nicht nur das bislang spektakulärste Bilddokument über die derzeit größte deutsche Rock-’n’-Roll-Band — er ist ein Meisterwerk des Musikkinos, das die Energie von Rammstein in ein einmaliges visuelles und sonisches Erlebnis fasst. 

Wenn alles vorbei ist, nach 98 Minuten, klatscht man sich ein Handtuch ins Gesicht, zupft sich die Reste der verkokelten Augenbrauen aus. Massiert sich die rauchenden Ohren, fühlt den eigenen Puls und fragt sich: Was, zum heiligen Henker, war das? - Das war ein Film.

„Nur ein Film“ sagt man ja manchmal, wenn man sich selbst beruhigen will. Wenn im Kino etwas zu grauenhaft wird, wenn einem die Bilder zu nahe kommen, ins Gesicht springen, wenn es körperlich wird. Bei RAMMSTEIN: PARIS funktioniert der alte Beschwichtigungstrick leider nicht, denn dieser Film — gedreht am 6. und 7. März 2012 in Paris, als die derzeit größte deutsche Rock-’n’-Roll-Band auf ihrer „Made in Germany“-Tournee zwei Abende lang im Palais Omnisports im Stadtteil Bercy spielte, brannte, donnerte — lässt wirklich alles auf seine Zuschauer niederbrechen, was sie auch in der echten Rammstein-Show am eigenen Leib spüren würden.

Eine Attacke aus Blitz und Dunkelheit. Eine Sinfonie der Triebe. Ein muskulöses Date mit den Gladiatoren der Liebe. Musik. Theater. Feurige Umarmung. Wie schon oft bei dieser Band gesagt: ein Gesamtkunstwerk. Wer „RAMMSTEIN: PARIS“ gesehen hat, wird nie wieder sagen, er wäre nicht dabei gewesen. 

Der schwedische Regisseur Jonas Åkerlund ist ja berüchtigt für die radikalen, stilbildenden Videos, die er mit Bands wie The Prodigy, Metallica, den Rolling Stones und eben auch Rammstein gemacht hat. Durch seine Musikinszenierungen flackern irrwitzige Details, umgestülpte Perspektiven, Kontrast-Schocks, Sinnesverwirrun- gen — und in RAMMSTEIN: PARIS zelebriert er das von Minute eins an. Wenn sich der Bühnensteg über die Köpfe der 17.000 Zuschauer senkt, das Bild in statischen Interferenzen zuckt und surrt, man hin- und hergewor- fen wird zwischen Close-up und Vogelblick. Wenn dann die sechs Helden einmarschieren, als Steampunks, Ritter, Heizer, ölige Rächer. Und die Show losbricht, der metallische Mitternachtszirkus, der große Feuerball.

16 Songs spielen Rammstein im Film, die Skala reicht von „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?“, dem ersten Song der allerersten Platte, bis zu „Frühling in Paris“, der herrlichen (und geografisch passenden) Entjungfe- rungsballade vom letzten Studioalbum „Liebe ist für alle da“. Und so wie diese Band aus Berlin vor über 20 Jahren einen ganz neuen Blick, eine neue Herangehensweise an den Rock ’n’ Roll eröffnete — so schafft „RAMMSTEIN: PARIS“ einen völlig neuen Blick auf Rammstein.

Und dieser Blick ist eigentlich ein Paradoxon: Nähe und Distanz, Panorama und Detail oder, wie Sigmund Freud sagen würde, Da und Fort. Um Rammstein in Concert fassen zu können, muss man sie im Weitwinkel sehen, der 

einen die Höhe der Flammen und Dampfsäulen richtig schätzen lässt, die brachiale Mannschaftsleistung. Andererseits braucht man die unmittelbare Anschauung, die Nahaufnahme der Mimik, wenn Sänger Till Lin- demann seinen Keyboarder Flake Lorenz im Topf kocht, das stumpfe Schillern von Schlagzeuger Christoph Schneiders Kettenhemd, die ganze Beinarbeit oder die Freude in den Augen der Umstehenden, wenn Flake auf der kleinen B-Stage den blanken Hintern zeigt.

Es ist Åkerlunds grenzenlos irre Editing-Technik, die genau das möglich macht. Im Film sind wir Rammstein fern und nah zugleich, auf dem Geierfelsen gegenüber der Bühne und doch so eng am haarigen Herzen Till Linde- manns, dass wir blutig hineinbeißen könnten.

Und das alles auch noch in Paris, mehr als anderthalb Stunden lang. Dieser Film ist der absolute Höhepunkt der bisherigen dokumentarischen Arbeit zu dieser Band. 


 

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Autor: Dennis Pöring | Gesprächswert: 92% | mit Material von NFP