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Interview zu Men in Black 3 mit Barry Sonnenfeld

TS: Warum haben sie sich wieder für Rick Baker als Monstererfinder entschieden ?

 

BS: Rick Baker erschafft keine Aliens, damit sie was Cooles tun. Wir hatten viele Diskussionen über den Look von Boris (Jemaine Clemens). Sieht er wirklich so aus oder ist das Tarnung ? Wie würde er auf seinem Planeten aussehen ? Das dauerte Monate. Warum sieht er wie ein Biker aus ? Wir dachten er kommt hier 1969 an, will nicht auffallen und dann sieht er zufällig eine Szene aus „Easy Rider“ und landet deshalb mit diesem Look. Tatsächlich besteht er aber aus zahllosen Fingern, was man erst am Ende feststellt. Auf einem anderen Planeten hätte er einen ganz anderen Look kreiert. Das Tolle an Rick ist, dass er mit uns eine Hintergrundgeschichte für die Aliens entwickelt. Es war seine Idee, dass die Aliens 1969 etwas mehr retro aussehen. Einige tragen Helme, weil ihre eigene Technik noch nicht weit genug entwickelt ist um auf der Erde zu atmen, oder sie sehen mehr wie traditionelle Aliens aus. Diese Leute, Bo Welch, Rick Baker, Ken Ralston der Effekt Supervisor und ich haben monatelang gegrübelt wie das alles Sinn ergeben könnte und Rick Baker ist einfach der Beste.

TS: Was ist denn in einem MiB-Film sinnvoll und was ist unrealistisch ?

BS: Will Smith hatte die Idee, dass Frank der Mops in diesem Film kein Men in Black, sondern ein Ex-Alkoholiker, der versucht wieder aufgenommen zu werden. Ich sagte; „Das ist lächerlich, das würde nicht passieren. Frank würde nie Alkoholiker werden“.  Will verstand das nicht: „Wir reden hier von einem sprechenden Hund der ein Außerirdischer ist, aber er hatte eine Vergangenheit, in der es unmöglich ist das er Alkoholiker wird ?“ Das basiert einfach auf meinen Regeln, wie diese Welt funktioniert. Es ist total subjektiv. Man will einfach nicht, dass es zu schräg, zu albern, zu bunt wird.

TS: Wie haben sie es geschafft , dass die Torte die Nicole Scherzinger am Anfang trägt, so obszön wackelt?

Das war gut, oder ? Das hat sicherlich 40 oder 50 Stunden meiner Zeit gekostet über viele Wochen, sie mussten die Torte vorbeibringen, wir sprachen über die Farbe, die Höhe, und ich wollte dass der Kuchen wackelt , aber er tat es nicht so wie ich wollte. Vielleicht kann man ein bißchen sehen, dass Nicole den Teller unauffällig dreht, während sie den Kuchen trägt. Dieser wackelnde Kuchen und ihr feter, runder Busen zusammen in einer Einstellung war eine nette Methode, den Film zu beginnen.

TS: Das Tempo des Films erinnert sehr an den ersten Film. Es werden viele Geschichten in sehr kurzer Zeit erzählt. War das schwer zu erreichen ?

Men In Black 3“ ist der längst Film, den ich je gedreht habe. Ich bin gegen Großaufnahmen. Komödien funktionieren am besten mit Two-Shots (zwei Personen im Bild) und hohem Tempo wie bei Preston Sturgess-Filmen oder „Leoparden küsst man nicht“ und „Sein Mädchen für besondere Fälle“ von Howard Hawks oder meinem Lieblingsfilm „Dr.Strangelove“. Der Schnitt ist der Feind der Komödie. Ich will, dass die Zuschauer die Komik entdecken und ich sie nicht drauf hinweisen muss. Ich schneide also nicht zur Großaufnahme für die Pointe. Ich bleibe bei der Totale, dann glaubt das Publikum es ist smarter als ich. Genau das will ich. Um das zu erreichen braucht man einen bestimmten Rhythmus. Beim Dreh sag ich dann immer: „Tolle Aufnahme, können wir das noch einmal schneller machen ?“ Wenn man die Schauspieler schneller sprechen lässt, können sie nicht mehr schauspielern. Zu sehen wie jemand schauspielert, ist für das Schlimmste. Wenn ich Filme anschaue, sitzt meine Frau neben mir und hält meinen Arm fest, denn sonst gestikuliere ich immer und versuche die Schauspieler anzutreiben. Wir haben versucht, die erste Episode von „Mad Men“ zu gucken. Nach einer halben Stunde fing ich an zu brüllen: „Redet schneller! Warum ist es jetzt still ? Warum gibt es eine Großaufnahme von einem der nur reagiert ? Warum reden die anderen nicht weiter ? Was ist hier los ?“ So rede ich und so denke ich und so führe ich Regie. Bei diesem Film wollte Will nicht dass ich „Schneller“ sage. Mein Stichwort für ihn war also „Mehr Dringlichkeit – und alle anderen: sprecht schneller!“









TS: Ist es nicht schwer, dass mit Tommy Lee Jones zu machen ?

BS: Nein, Tommy Lee Jones spricht sehr schnell und hat dabei eine fantastische Aussprache und einen sehr melodischen Rhythmus, das ist nicht einfarbig oder flach sondern musikalisch. Das war eine der Herausforderungen für Josh Brolin. Ich arbeite total gerne mit Tommy und lasse ihn die ganzen Hintergründe erklären, weil er das so schnell macht. Geschwindigkeit ist alles.

TS: Wann entscheiden sie sich, ob sie den vierten Teil auch machen ?

Das hängt zunächst mal davon ab, ob dieser Film soviel Geld verdient, dass sie gar keine Wahl haben, einen weiteren zu drehen. Ich fände es toll wenn der Film eine Milliarde Dollar einspielt. Dann wäre es schwer eine Fortsetzung abzulehnen. Will Smith hat schon eine Idee dafür parat. Mal sehen.

Die Serie macht Spaß, weil sich alle mögen. Will, Tommy und ich – wir lieben uns. Und jetzt gehört auch Josh dazu. Die Chemie stimmt einfach. Und darum geht es auch im Film. Eins der vielen Probleme bei „Wild Wild West“ war, dass es zwischen Will Smith und Kevin Kline nicht funkte. Wenn dort die Chemie gestimmt hätte, wäre es schon ein erheblich besserer Film gewesen.

„Men In Black“ ist so eine starke Serie, weil es keine großen Explosionen braucht oder riesige Verfolgungsjagden. Das gibt’s zwar auch, aber eigentlich geht es immer um die Jungs. Das ist für mich der Spaß dabei.  

TS: Welche Anforderungen haben sie an Josh Brolin gestellt, der den jungen Tommy Lee Jones spielt ?

Das ist eine wirklich schwere Rolle, aber als ich das Drehbuch gelesen hatte wusste ich, dass Josh das spielen musste. Ich hatte ihn in „W.“ gesehen und fand ihn großartig. Ich hatte ihn ein paar mal getroffen durch die Coen-Brüder und wir mochten uns. Außerdem fand ich dass er dem jungen Tommy Lee Jones sehr ähnlich sieht, wenn man sich dessen alte Harvard-Fotos anguckt. Ich wusste, dass er den Akzent und die Bewegungen hinkriegt. Die Frage war ob er Agent K genauso wie Tommy Lee Jones spielt oder ihn verändert, weil er 40 Jahre jünger ist. Wieviel kann man verändern ohne dass die Zuschauer sagen „ich vermisse die Beziehung zwischen Will und Tommy“? Wir wollten den jungen Agent K optimistischer machen, neugieriger auf die Zukunft, damit wir am Ende des Films erfahren, warum er sich verändert hat. Josh und ich, wir spielten also ständig damit, wieviel oder wie wenig von Tommy´s Schroffheit er übernimmt. Das Studio war anfangs nervös und wollte größere Unterschiede. Ich sagt dann, „wenn wir ihn zu sehr ändern, werden die Leute sagen „Was ist mit Tommy passiert ?““ Man will ihn so ähnlich wie möglich, damit die Chemie mit Will Smith stimmt , und so verändert wie nötig, damit er diese erstaunliche Entwicklung durchmachen kann. Wenn er schon immer griesgrämig war, gibt es keinen Spannungsbogen. Es hat viel Spaß gemacht, wir haben das von Tag zu Tag und Aufnahme zu Aufnahme und Stück für Stück entschieden. Das meiste war aber Josh´s Leistung. Er war fantastisch.


TS: Stimmt es, dass sie den Film ohne fertiges Drehbuch angefangen haben ?

BS: Es ist absolut unwahr, dass wird den Film ohne Drehbuch gestartet haben. Niemand könnte das, besonders bei einem Film dieser Größe, mit diesen Kosten. Wir hatten einen Anfang den wir mochen, ein Ende das wir mochten und einen Mittelteil - in dem J und der junge Agent K sich kennenlernen -  an dem man noch was verbessern konnte.  

Diese Filme sind aber so teuer, dass wir dachten wir machen lieber eine längere Weihnachtspause um das Drehbuch zu überarbeiten als eine schlechte Fassung zu drehen und dann acht Monate  später alle nochmal zusammenzutrommeln.

TS: War es eine Herausforderung für sie , in 3D zu drehen ?

BS: Darauf antworte ich jetzt mal etwas zu lang: Zunächst mal haben wir in 2D gedreht und dann konvertiert. Wir haben rund eine halbe Million Dollar bei Testaufnahmen mit verschiedenen 3D-Kameras verballert. Mit gefiel aber der gewandelte Look viel besser, weil ich mehr Kontrolle in der Nachbearbeitung hatte und ich konnte auf Film drehen. 3D hätte ich digital drehen müssen. Ich habe gewissermaßen schon immer in 3D inszeniert. Meine Filme mit den Coen-Brüdern wie „Blood Simple“ oder „Raising Arizona“ oder meine eigenen Regiearbeiten, „Die Addams-Familie“ oder die „Men in Black“-Filme sind alle mit Weitwinkelobjektiven und einer festen Achse gedreht. Ganz selten schwenke ich die Kamera. Als ich „A Simple Man“ von den Coens gesehen hatte sagte ich ihnen, das sei ihr bester Film seit „Millers Crossing“, der letzte bei dem ich ihr Kameramann war. Sie fragen warum und ich erklärte ihnen „weil ihr nicht geschwenkt habt“. Ich bin total dagegen. Daher war 3D keine Herausforderung. Ich mochte, was wir in der Nachbearbeitung machen konnten. Wenn sie den Sprung vom  Chrysler-Gebäude sehen, da konnten wir nachträglich festlegen wo der 3D-Effekt am stärksten ist, anders als bei allen 3D-Filmen die ich bisher gesehen habe.

TS: MIB 3 sieht den ersten beiden Filmen sehr ähnlich. Haben sie einfach dasselbe Equipment wie damals benutzt oder den Look mit viel Hightech erzeugt ?

BS: Ein Regisseur ist dafür da um tausende Fragen zu beantworten: wen man besetzt, welches Drehbuch man nimmt, welche Kleidung soll jemand tragen, welches Auto soll er fahren und durch die Antworten entsteht die Stimmung des Films. Es gibt da keine dummen oder kleinen Fragen. Die Fragen, die man für unwichtig hält, verfolgen einen später ganz schrecklich. Bo Welch war der Ausstatter bei allen drei Filmen, Rick Baker kreierte die Aliens, wir hatten denselben Requisiteur und Danny Elfman schrieb wieder die Musik.
Ich habe unserem Requisiteur gesagt der technologische Unterschied zwischen 1969 und 2012 ist die Größe der Batterien. Darum sind alle Geräte 1969 zu groß, wie Josh´s riesiges Handy und er braucht Extra-Batterien für den Neuralisator. Was sich für uns beim Drehen geändert hat war die Computerkapazität und der Speicherplatz. Ich benutze nicht gerne Computer um Aliens zu erschaffen. Aber wir konnten diesmal riesige Umgebungen erschaffen wie Cape Canaveral, das Chrysler-Gebäude oder das Baseball-Stadium. Vor zehn Jahren hätten wir nicht mal drüber gesprochen ob das möglich wäre. Aber vor allem sehen die Filme gleich aus, weil ich bei allen drei Regie geführt habe.



 


 
 

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