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12 Years A Slave Trailer

Originaltitel: 12 Years A Slave  |   Mit: Benedict Cumberbatch, Brad Pitt

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FSK Film: 12 | FSK Trailer: 12 | Länge: 134 Min | Kinostart: 16.01.2014 | DVD/BD: 16.05.2014 | ©  Tobis | Drama
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12 Years A Slave: Mehr zu diesem Film

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84%

Geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut





Die Meinung zum Film - von

Als das Buch TWELVE YEARS A SLAVE im Jahr 1853 erschien erregte es zwar Aufsehen, wurde aber nur kurze Zeit später überschattet von einem anderen Werk über die Sklaverei in den Südstaaten, das dem Massengeschmack viel besser schmeckte: VOM WINDE VERWEHT. Kein Wunder, dass letzteres schon 1938 verfilmt wurde. Solomon Northups Martyrium schaffte es erst 50 Jahre später bis zum Fernsehfilm - und erst jetzt zum gefeierten Oscarfavoriten.

Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor, „2012“) lebt 1841 als freier Mann in New York. Für einen Schwarzen war das damals in den USA längst nicht alltäglich, denn im Süden ist 20 Jahre vor dem Bürgerkrieg die Sklaverei immernoch erlaubt. Darüberhinaus ist er gebildet, hat eine glückliche Familie und kommt als Musiker auch finanziell gut klar. Ein neues Engagement in Washington, dass ihm zwei Geschäftsleute vorschlagen, könnte er dennoch gut gebrauchen.

Doch es handelt sich um eine Falle. In Washington wird Solomon betäubt, gefesselt und in den Süden verschifft. Widerstand ist zwecklos. Niemand glaubt ihm, dass er ein freier Mann ist und Rechte hat. Mit brutalen Schlägen wird er gefügig gemacht und mit neuem Namen als Sklave verkauft. So landet er auf der Farm von Ford (Benedict Cumberbatch). Im Grunde ist der ein anständiger Mensch. Aber auch er kann es sich nicht leisten, vor seinen Arbeitern oder seiner Frau schwach zu erscheinen. Als Solomon mit einem unterbelichteten, jähzornigen Vorarbeiter aneinandergerät wird er einfach weitergereicht - an den Farmer Edwin Epps (Michael Fassbender), der über sein Eigentum mit absoluter Macht, Härte und Willkür herrscht –und dafür gerne die Bibel zitiert. Wer bei der Ernte keine Höchstleistung bringt muss mit Strafe rechnen. Solomon kann sich allerdings Pluspunkte durch seine Musikalität verschaffen. Denn immer wieder ruft der Sklaventreiber seine müden Pflücker mitten in der Nacht in sein Haus für bizarre Tanzvorführungen. Im Grunde ist die Musik also für Solomon ein Lebensretter – und gleichzeitig sein größter Wert als Sklave.

Im Laufe der Jahre denkt Northup zwar immer wieder an Flucht. Aber immer wieder werden seine Pläne vereitelt, schlagen fehl oder er bricht sie aus Angst ab. Hilfe von anderen kann er nicht erwarten,alle haben zuviel Angst um ihre eigene Existenz. Er gibt zwar nie auf, geht aber auch nie aufs Ganze. Hätte er alles riskieren sollen ? Hätte er auch den eigenen Tod in Kauf nehmen sollen ? Oder war es richtig, den Kopf einzuziehen, sich anzupassen und auf  bessere Gelegenheiten zu warten ?

„Ich wurde als freier Mann geboren“

Menschen in extremen Umständen sind Steve McQueens Thema. In gewisser Weise waren die Hauptfiguren in allen seinen Filmen Sklaven. In „Hunger“ war es ein Gefangener im Hungerstreik, Sklave seiner Überzeugung, in „Shame“ ein emotional verkrüppelter Sexsüchtiger, Sklave seiner Obsessionen. Und auch Solomon ist ja im Grunde kein „echter“, kein legaler Sklave, sondern ein regulärer US-Bürger, dem die Freiheit genommen wurde. Aber wie lange kann er seine Überzeugung verteidigen, bevor er sich mit dem Sklavendasein abfindet ?

Chiwetel Ejiofor („2012“) ist zwar der Titelheld, aber nicht der beeindruckendste Darsteller. Das liegt auch am Drehbuch, dass ihn weitgehend zum Beobachter degradiert. Durch seinen gebildeten Blick lernt man die verschiedensten Aspekte des Sklavensystems kennen. Solomon nimmt als gebildeter, musikalischer Sklave oft eine Sonderstellung ein, die ihn vor den extremsten Greueln bewahrt. Aus Angst macht er sich so klein, dass er möglichst wenig wahrgenommen wird. Auch als Zuschauer achtet man mehr auf andere Figuren. Kein Wunder, wenn gleichzeitig Michael Fassbender als psychopatischer Wüterich über die Leinwand tobt. Allerdings wird auch Fassbenders Spiel noch übertroffen von Lupita Nyong’o, die als Sklavin Patsey Spielball seiner Willkür ist. Zum Schluss hat auch Brad Pitt, dessen Firma Plan B den Film mitproduziert hat, einen Gastauftritt, der allerdings entscheidend für die Handlung ist. In der Originalfassung fällt jedoch vor allem sein unpassender Akzent auf, der schwer texanisch klingt, obwohl seine Figur aus Kanada kommen soll. Aber das wird in der Synchronfassung ohnehin nicht auffallen. Authentische Charaktere bekommt man dennoch nicht zu sehen. Alle Figuren sind überzeichnet, Brad Pitt als Gutmensch, Fassbender als sadistischer Psychopath oder Paul Dano als unterbelichteter Hinterwäldler.

„Mit Eigentum kann man tun was man möchte“

Dass die Sklavenhaltung ein Terrorregime war, ist nicht neu. Da rennt der Film offene Türen ein. McQueen zeigt zwar immer wieder neue Methoden der Unterdrückung, aber im Grunde unterscheidet der Film sich nur in seiner schonungslosen Härte von der klassischen TV-Miniserie „Roots“.  Minutenlang zeigt er brutalste Misshandlungen, so drastisch, dass es einen kaum wundernwürde, wenn auf einmal Tarantinos Django um die Ecke reiten würde. Nur der Humor fehlt hier völlig. McQueen verzichtet auf inszenatorische Mätzchen. Der Soundtrack besteht vor allem aus traditionellen Gospels und Blues-Nummern, die ebenfalls ursprünglich, ungeschliffen klingen. Dazu kommen dissonante Klangkulissen, die allerdings weniger aus dem Rahmen fallen als bei „There Will Be Blood“.

Oft sind McQueens Bilder statisch und die Einstellungen scheinbar endlos, was jedoch sehr gut zu einer Zeit passt, in der die Uhren anders tickten. Sie erhöhen das Gefühl der Unentrinnbarkeit. In einer minutenlangen Sequenz hängt Solomon mit einem Strick um den Hals an einem Baum und kämpft um sein Leben, während um ihn herum das alltägliche Leben weitergeht. Niemand beachtet ihn, sei es aus Angst, dasselbe Schicksal zu erleiden, oder weil die Menschen schlicht abgestumpft sind. Das sind Eindrücke,die sich einbrennen. Noch schmerzhafter ist nur die quälend lange Auspeitschung der Sklavin Patsey, bei der Solomon sich zudem entscheiden muss, ob er selbst zum Täter wird, um nicht zum Opfer zu werden.

Man kann McQueens Film auch als allgemeines Beispiel auch für aktuelle Methoden der Unterdrückung zu interpretieren, seien es Diktaturen oder Armut in der Gegenwart. Wer lehnt sich heute schon gegen Unrecht auf, wenn dadurch die eigene Lebensweise in Gefahr gerät ? McQueen zeigt, wie sich verschiedene Menschen selbst verbiegen und rechtfertigen, um in diesem System zu überleben. Die ehemalige Sklavin Mistress Shaw (Alfre Woodard)  etwa hat ihren früheren Besitzer geheiratet. Dass eine Sklavin ein gleichberechtiger Ehepartner sein kann, hindert ihren Mann nicht daran, andere Schwarze weiter als rechtloses Eigentum zu behandeln. Und auch wenn Mistress Shaw das System insgeheim verabscheut, ist es ihr doch wichtiger ihre eigene komfortable Position zu sichern als anderen zu helfen. Die Sklavin Patsey passt sich auf ihre Weise an, arbeitet härter als alle und erträgt auch noch die ständigen Vergewaltigungen durch ihren Besitzer, in der Hoffnung ihre Lage etwas zu verbessern. Aber auch ihre völlige Unterwerfung gibt ihr keine Sicherheit vor brutalsten Misshandlungen.

Bei den Golden Globes wurde „12 Years A Slave“ als bestes Drama ausgezeichnet. Die Schauspieler gingen allerdings komplett leer aus. Dennoch besteht kaum ein Zweifel, dass der Film auch bei den Oscars groß abräumen wird, denn der Film passt mit seiner Botschaft und seinem konservativen, entschleunigten Stil perfekt ins Beuteschema der Academy-Juroren.

Marcus Fliegel© Marcus Fliegel
 
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Infos zu "12 Years A Slave"

Die Story zu 12 Years A Slave:Der Film spielt in Saratoga, New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt als einfacher aber freier Mann und ist angesehener Geigenspieler. Eines Tages trifft er auf zwei Fremde, die ihn entführen und in die Sklaverei nach Lousiana verkaufen. Dort fristet er ein schrecklich brutales Leben. Solomon versucht nach 12 Jahren einen Ausweg aus der Gefangenschaft zu finden und versucht zu fliehen...

Schauspieler: Chiwetel Ejiofor, Brad Pitt, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch

Regie:Steve McQueen

Produktion:John Ridley

Drehbuch:John Ridley

Hintergrund:Basierend auf Solomon Northup. Nach einer wahren Geschichte.





Eure Meinung zu "12 Years A Slave"


Weitere Kommentare zu "12 Years A Slave":

pimboli4 Fesselnd, aber auch sehr traurig. Macht einen fassungslos, wenn Menschen zu Bestien mutieren, ohne jeden Funken von Mitleid und Anteilnahme.

Jess eine bewegende Story - leider dermaßen langweilig und langatmig umgesetzt, mit kurzen qualvollen 'Schockmomenten', dass ich nach einer Stunde nur noch verzweifelt das Ende herbeigesehnt habe... Schauspielerisch konnte mich kaum der Hauptdarsteller überzeugen, die anderen bleiben einem überhaupt nicht im Sinn. Und ein Brad Pitt, der natürlich den Retter spielt.... Schade, schade schade

lilmissy Schön, dass es mal wieder ein Werk gibt, das zum nach- und weiterdenken anregt.Das sind keine Ami-Probleme, da es solche Tatsachen auf allen Kontineten gibt. Mich hat er berührt und mir stellt sich wiedermal die Frage: Wieso nimmt es sich eine Rasse/ein Volk raus, zu meinen, sie seien etwas besseres und wertvoller als andere und wo bleibt der ach so oft zitierte und angerufene Gott?! Definitiv sehenswert!

Babette Sehr guter Film. Jeder sollte sich mal Gedanken über die damaligen Zustände der Sklaverei machen. Ich empfehle jedem diesen Film, der auf Tatsache beruht, anzusehen.

Horst Schauspieler: Sehr gut Darstellung: Gut Nur der Film gibt die Sklaverei wohl nicht richtig wieder. Er ist nur auf niedrige Instinkte abgestellt der Zuschauer. Die wirklichen menschlichen Probleme der Sklaven werden den Aktionen geopfert. Insgesamt: Man muss den Film nicht unbedingt sehen.

Laudatio Ein Augenschmaus, wohl Wahr.

bert @deso: Geh und fress dich an Bild und RTL2 voll, du trauriges Stück Mensch.

deso Amifilme über Amiprobleme in Amieinflussphäre. Gähn.

movie-future brad pitt & ben afflek