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Sin Nombre Film Trailer

FSK Film: Dieser Film hat die FSK Freigabe 16 Jahre
Länge: 96 Min | Kinostart: 29.04.2010 | DVD/BD: 07.10.2010 (DVD&BD) | ©  Prokino | 
 
 
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Sin Nombre Film Trailer: Weitere Infos

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• Ausschnitte
• Interview mit dem Regisseur
• Video vom Sundance Festival

Die Story zu Sin Nombre Film Trailer:
Gewalt gehört zum Alltag des mexikanischen Jugendlichen Casper: Als Mitglied der brutalen Gang Mara Salvatrucha führt er ein Leben auf der Überholspur - Abspringen unmöglich. Als sich die Ereignisse überschlagen, trifft Casper eine folgenschwere Entscheidung und flieht aus den Fängen der Gang. Auch Sayra sehnt sich nach einer besseren Zukunft und kehrt ihrer Heimat den Rücken. Das Schicksal führt sie mit Casper zusammen: in dem Moment als er sich entscheidet, Sayra zu retten und dafür sein eigenes Leben zu riskieren. Gemeinsam stürzen sich die Beiden in ein gefährliches Abenteuer. Mutig steht Sayra Casper auf der Flucht vor der Mara zur Seite, während sie durch die mexikanische Landschaft der Hoffnung auf ein neues Leben entgegenfahren. Oder wie er es selbst beschreibt: Mein Name ist Willy, aber alle nennen mich El Casper, ich bin 18 Jahre alt. Mein Leben ist die Mara, die größte Gang in Tapachula. Ich gehöre ihr seit Jahren an, erledige Botendienste für sie und hole neue Jungs in unsere Clika, die man als „Confetti“ kennt. Wie den zwölfjährigen Smiley. Den ersten Teil des Aufnahmerituals hat er hinter sich gebracht: 13 Sekunden lang haben wir auf ihn eingeprügelt, und er hat die Schläge eingesteckt wie ein Mann. Hinterher hat er sogar gelacht. Lil’ Mago, unser Anführer, war stolz auf ihn. Keiner in der Gang darf erfahren, dass mein Herz nicht mehr der Mara gehört, sondern einem Mädchen in La Bombilla, Martha Marlene. Wenn Lil’ Mago oder seine rechte Hand El Sol erfahren, dass ich meine Aufgaben vernachlässige, bin ich geliefert. Tatsächlich ist mir Lil’ Mago bereits auf der Spur: El Sol hat einen Chavala, wie wir unsere Feinde nennen, in unserem Ganggebiet, in unserem Barrio, unserem Viertel, gefunden, ausgerechnet in La Bombilla, den ich nicht finden konnte, weil ich meine Zeit bei Martha Marlene verbracht hatte. Der Chavala gehört zum zweiten Teil der Aufnahmeprüfung von Smiley: Er muss einen unserer Feinde töten, um in die Mara Salvatrucha aufgenommen zu werden. Er ist erst zwölf, aber er zögert keine Sekunde ... Jede freie Minute verbringe ich mit Martha Marlene. Während Smiley Schmiere steht, verstecken wir uns auf einem Lichtmast am Bahnhof. Ich träume davon, mit ihr einfach zu fliehen, auf einem der Züge, die wir von da oben sehen, wie die unzähligen anderen Flüchtlinge, die in den Norden wollen. Ein Traum, ein schöner Traum ... Ein vergeblicher Traum: El Sol und seine Männer haben uns entdeckt. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Martha Marlene zu verleugnen. Nur eine Freundin sei sie, sage ich, um uns zu retten. Sie macht das wütend, weil sie ohnehin eifersüchtig ist und nicht versteht, dass es um Leben und Tod geht. Ich bin gerade noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Lil’ Mago kassiert nur meine Pistole, belässt es bei dieser Warnung. Warum nur muss ausgerechnet jetzt Martha Marlene auftauchen und mich zur Rede stellen wollen? Natürlich kriegt das auch Lil’ Mago mit. Und er lässt sich nicht so leicht besänftigen wie El Sol. Mir bleibt nichts übrig, als ihn gewähren zu lassen. Er ist es, der Martha Marlene aus dem Ganggebiet bringt. El Sol kümmert sich um mich. Ein Faustschlag streckt mich nieder. 13 Sekunden wird die Bestrafung dauern. Bevor ich das Bewusstsein verliere, sehe ich Martha Marlene. Zum letzten Mal. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Der Teufel habe sie geholt. Mehr sagt Lil\' Mago nicht zu mir. Stattdessen kündigt er an, dass er mit Smiley und mir auf eine Mission gehen wird. Das kann nichts Gutes bedeuten. Jetzt weiß ich, auf welche Mission Lil’ Mago uns mitnimmt: Wir sollen einen Zug mit Flüchtlingen ausnehmen, ihnen das letzte bisschen nehmen, das sie noch besitzen. Der Zug ist bereits angefahren, aber wir springen noch auf. Wir warten ab, bis es Tag wird. Der Zug hält. Es ist so weit. Smiley trägt eine Schusswaffe, mir gibt Lil’ Mago eine Machete. Im Regen verbergen sich die Flüchtlinge unter Zeltplanen, das macht unsere Sache leichter. Aber ich will nicht. Will nicht länger. Dann eskaliert die Situation. Lil’ Mago bedroht ein Mädchen, ihre Familie kommt zur Hilfe, er schlägt einen Mann nieder, will das Mädchen vergewaltigen. Ich ... treffe ... eine ... Entscheidung: Bis hierhin, aber keinen Schritt weiter. Ich hebe die Machete ... Plötzlich ist alles ganz klar und einfach ... Ich töte Lil’ Mago. Das ist auch mein Todesurteil. Smiley zwinge ich, vom Zug zu springen. Ich will allein sein. Smiley hat es zurückgeschafft in das Hauptquartier der Mara. Dort erstattet er Bericht, was auf dem Dach des Zuges vorgefallen ist: Lil’ Mago ist tot, Casper sein Mörder. El Sol übernimmt die Führung, Smiley erhält einen Revolver und wird losgeschickt: Er soll Lil’ Mago rächen und Casper töten – zum Beweis seiner bedingungslosen Loyalität gegenüber der Mara. An Casper schickt El Sol eine SMS: „Ich habe grünes Licht erteilt. Du bist tot.“ Casper lässt das Handy auf die Gleise fallen. Jetzt hat er nur noch die Kamera mit den letzten Bildern von Martha Marlene und sich. Sayra nähert sich Casper, gibt ihm zu essen. In Tierra Blanca Zwischenstopp. Man kann sich erfrischen und duschen – sich ein Stück Normalität zurückholen. Sayra trennt sich von ihrer Familie und bietet Casper ihre Hilfe an. Ihr Vater warnt sie, möchte, dass sie sich von diesem Mörder fernhält. Sayra ignoriert ihn. Sie erkennt in Casper eine verwandte Seele und versucht ihn zu überreden, ihr in den Norden zu folgen. Er fährt mit, weiß aber, dass seine Lage aussichtslos ist. Die Mara hat ein gutes Gedächtnis, sagt er. Und tatsächlich: Smiley hat sich mit einer lokalen Clika verbündet und ist Casper auf den Fersen. Vor dem nächsten Bahnhof müssen alle Flüchtlinge abspringen, durch das Dorf an der Bahnpolizei vorbeilaufen und dann wieder aufspringen. Auf der Straße wird Casper von Mitgliedern der Mara erkannt, kann sich aber noch rechtzeitig verstecken und sich wieder zu den Reisenden auf den Zug stehlen. Nachts halten sie sich mit einem Feuer warm. Während Sayra und ihre Familie schlafen, springt Casper im nächsten Ort ab und will sich aus dem Staub machen, auch um das Mädchen und seine Familie nicht zu gefährden. Doch Sayra lässt den Zug ebenfalls zurück und folgt ihm. Sie vertraut Casper und darauf, dass alles ein gutes Ende nehmen wird – obwohl ihr prophezeit wurde, dass die Reise in den Norden nur mithilfe des Teufels erfolgreich sein wird. Gemeinsam finden sie Unterschlupf bei einer Frau, für die Casper einst Aufträge erledigt hat. Sie schmuggelt ihn und Sayra weiter Richtung Norden – nur um El Sol sofort davon zu unterrichten, wo sie die beiden abgeladen hat. Die Mara rückt näher. Casper und Sayra verstecken sich in einem Wagen auf einem Autotransporter. In einem ruhigen Moment vertraut sich Casper dem Mädchen an, erzählt von Martha Marlene und gesteht Sayra seine Hoffnungslosigkeit – und seine Befürchtung, nun auch ihr Leben zur Hölle gemacht zu haben. Als der Autotransporter an seinem Ziel ankommt, warten El Sol, Smiley und ein Trupp schwer bewaffneter Mareros bereits. Doch Casper und Sayra sind kurz zuvor abgesprungen. Sie suchen Zuflucht in einer Mission. Dort treffen sie auch einen Freund von Sayras Familie, der mit ihren Verwandten unterwegs gewesen war. Der Mann hat schlechte Nachrichten: Sayras Vater ist tot, kopfüber auf die Gleise gestürzt, der Onkel wurde zurück nach Honduras abgeschoben. Casper ist klar, dass Sayra jetzt nur noch ihn hat. Die Reise fortzusetzen erscheint ihr sinnlos, aber Casper überzeugt sie, weiterzufahren. Er wird sie begleiten. Am nächsten Tag wollen Sayra und Casper die letzte Etappe bewältigen und den großen Fluss überqueren. Das Ufer ist bereits so nah – und doch noch so fern.

Schauspieler:
Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristyan Ferrer, Diana Garcia, Tenoch Huerta Mejía

Hintergrund:
SIN NOMBRE ist eine Reise mitten in die Schattenwelt Mexikos. Ein packender Thriller mit furiosen Bildern, ein Gangster-Movie und zugleich eine berührende Love Story über zwei junge Menschen, deren Wege sich schicksalhaft kreuzen und die im jeweils anderen eine verwandte Seele erkennen. Zugleich ist SIN NOMBRE ein berührendes Plädoyer für Menschlichkeit, persönliche Freiheit und Liebe. Cary Joji Fukunaga schafft es, eine Poesie in die Welt der Gestrandeten zu legen, die den Zuschauer berührt, bewegt und emotionalisiert. SIN NOMBRE steht in direkter Tradition des neuen lateinamerikanischen Independent-Kinos. Produziert von Amy Kaufmann bei Focus Features („21 Gramm“, „Lost in Translation - Zwischen den Welten“, „... mit deiner Mutter auch!“) und den mexikanischen Superstars Gael García Bernal und Diego Luna, drehte der Amerikaner Cary Joji Fukunaga an Originalschauplätzen in Mexiko ein überwältigendes Regiedebüt, das eine kompromisslose Welt zeigt, in der Liebe und Menschlichkeit den Kampf gegen tägliche Gewalt aufnehmen – atemberaubend, cool und sexy. Aufsehen erregte SIN NOMBRE bereits auf diversen internationalen Festivals und avancierte dort zum absoluten Publikumsliebling mit Kultpotenzial, auch bei Kritikern und Juroren: Er wurde ausgezeichnet mit dem Regiepreis sowie dem Preis für die Beste Kamera in Sundance, dem Skillset New Directors Award beim Edinburgh Filmfestival und dem Preis der Jury in Deauville. Auf dem 20. Stockholm International Film Festival konnte SIN NOMBRE gleich drei Preise absahnen: den Preis für den besten Debütfilm, dem FIPRESCI-Preis sowie den Darstellerpreis für Hauptdarsteller Edgar Flores. Im Oktober 2009 feierte SIN NOMBRE im Rahmen der 43. Internationalen Hofer Filmtage seine Deutschlandpremiere. Ein Filmtrip in der aufregenden Tradition von „Amores perros - Von Hunden und Menschen“ und „City of God“, der die Zuschauer in seinen Bann zieht, festgehalten in schonungslos direkten und berührend schönen Bildern, komplementär ergänzt durch den Sound Lateinamerikas. Aufsehen erregte SIN NOMBRE auf diversen internationalen Festivals und avancierte dort zum Publikumsliebling, auch bei Kritikern und Juroren: Ausgezeichnet mit dem Regiepreis in Sundance, dem Skillset New Directors Award beim Edinburgh Filmfestival und dem Preis der Jury in Deauville.

 

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MARA POR VIDA
Mara Salvatrucha – Die gefährlichste Gang der Welt

13 Sekunden dauert das Ritual, um in die Mara Salvatrucha aufgenommen zu werden. 13 endlose Sekunden, brutale Sekunden, in dem das künftige Mitglied von seinen Bandenkumpels mit allen Mitteln verprügelt und getreten wird. Nicht selten fließt Blut, brechen Knochen, denn nur der Schutz des Gesichts und der Genitalien ist beim sogenannten Jumping-in erlaubt. Und doch gibt es jährlich Tausende, die dazugehören wollen zur mit geschätzt 100.000 Mitgliedern größten und gefährlichsten Gang der Welt, die vor allem in Zentralamerika Zuspruch findet. Dort bietet die Mara in einem wirtschaftlich zerrütteten System Rückhalt und Sicherheit – auch wenn als Gegenleistung schwerste Verbrechen gefordert werden. Die Mara gilt als gewaltbereiter als andere Gangs: Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung sind probate Mittel im Kampf gegen Feinde und um sich Respekt zu verschaffen.

Kein Wunder also, dass das Jumping-in nur der Auftakt für das Initiationsritual ist: Als nächstes verlangt die MS-13, wie die Mara auch genannt wird, von jedem Neuzugang, einen Menschen zu töten. Erst dann wird man als Mitglied akzeptiert. Ausstieg unmöglich: Er wird nicht toleriert und mit dem Tod bestraft. Frauen, die in die Gang wollen, haben die Wahl: entweder 13 Sekunden Prügel – oder sich von mindestens drei Mitgliedern vergewaltigen lassen. Das Kräfteverhältnis der Geschlechter ist eindeutig: Die meisten Mitglieder der Mara sind Männer, aber man schätzt, dass der Frauenanteil immerhin etwa 20 Prozent ausmacht.

Die Mara ist streng militärisch organisiert. Die Fußsoldaten sind zumeist Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die systematisch ihrem Elternhaus entrissen werden. Die jüngsten Mitglieder sind sieben Jahre alt. Selten ist einer der Gangster älter als 30. Auf der untersten Ebene ist die MS-13 in sogenannte „Clikas“ organisiert, kleine Gruppen von zehn bis 70 Mitgliedern, die einem Anführer unterstellt sind, dem „Palabrero“. Diese Clikas kontrollieren einzelne Straßenzüge oder Viertel, bisweilen ganze Dörfer, denen sie jeweils eng verbunden sind. Sie selbst nennen ihre Territorien „Barrios“. Unverkennbares Erkennungszeichen sind die Tattoos, die die meisten Mitglieder tragen. Pflicht ist wenigstens eines: ein „M“ oder „MS“, manchmal auch eine „13“, gemeinsam mit dem Namen der Mutter oder eines Menschen, den man getötet hat. Für jeden getöteten Gegner lässt sich das Gangmitglied eine Träne tätowieren. Vermehrt finden sich tätowierte Schriftzüge wie „Salvadorian Pride“ oder „La vida loca“ (für „das verrückte Leben“, das man in der Gang führt, geprägt durch den ständigen Kampf gegen verfeindete Gangs). Gesichtstätowierungen sind meistens als Bestrafungen zu werten. Typisch sind außerdem Graffiti und Handzeichen, ein stilisiertes „M“ aus zwei Händen oder stilisierte Teufelshörner. Der Kleidungsstil ist wie der Sprachgebrauch unverkennbar amerikanisiert: Auch in Zentralamerika, wo die Mara den größten Zulauf hat, orientiert man sich an den Ursprüngen der Gang in Los Angeles.

Mittlerweile gilt die Mara als eine der effektivsten verbrecherischen Vereinigungen der Welt. Sie lässt die Camorra oder Mafia alt aussehen: Die Mara Salvatrucha scheffelt Milliarden mit Drogen-, Menschen- und Waffenhandel, Prostitution, Autoschieberei, Erpressung sowie der Erhebung von Wegezöllen. Gerade erst ging die Nachricht von der Ermordung des Filmemachers und Fotoreporters Christián Poveda um die Welt, der die Dokumentation „La vida loca“ über die Mara 18 (oder MS-18), die unmittelbare Konkurrenzgang der MS-13, gedreht hatte. Am 3. September 2009 wurde er mit mehreren Kugeln im Kopf in der Nähe seines Autos nördlich von San Salvador tot aufgefunden. Er wurde nach Berichten von den Banden erschossen, die er betreut hatte. El Salvadors Staatschef Mauricio Funes ordnete an, dass eine Untersuchung des Hergangs stattfinden solle. Die anderen Mitglieder der Produktion leben nun ebenfalls in Todesangst. Schon während des Drehs waren sieben Menschen ums Leben gekommen.

Die Mara Salvatrucha, wie man sie heute kennt, entstand in den 1980er-Jahren, auch wenn ihre Wurzeln im San Salvador der 1960er-Jahre zu suchen ist. Zu Beginn der 1980er forderte der Bürgerkrieg in El Salvador das Leben von mehr als 100.000 Menschen. Man schätzt, dass zwischen ein und zwei Millionen Menschen aus ihrer Heimat flüchteten und Zuflucht in den Vereinigten Staaten suchten – Wirtschaft und Regierung in El Salvador galten als zu unsicher; Angst regierte die Straßen. Die Armutsquote liegt seitdem bei 50 bis 80 Prozent.

Die erste Flüchtlingswelle aus El Salvador siedelte sich in Los Angeles an, im überwiegend hispanischen Viertel Rampart. Die bereits dort lebenden Bürger, zumeist Amerikaner mit mexikanischem Hintergrund, waren nicht angetan von den neuen Nachbarn, die nach preiswerter Unterkunft und Arbeitsplätzen suchten und die ohnehin angespannte Situation in der Gegend noch verschärften. Schon jetzt war die Nachbarschaft geplagt von Gangaktivitäten und Gewalt. Hier traten nicht nur Hispano-Gangs wie die Nuestra Familia oder Mexican Mafia in Erscheinung, sondern auch die gefürchteten und schwer miteinander verfeindeten Schwarzengangs Crips und Bloods.

Die in Südkalifornien neu angesiedelten Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus El Salvador wurden schnell Opfer von Übergriffen dieser lokalen Gangs. Um sich zu schützen und der Gewalt etwas entgegensetzen zu können, gründete eine Gruppe salvadorianischer Immigranten eine eigene Gang. Sie nannten sich Mara Salvatrucha oder MS-13. Man vermutet, dass der Name eine Kombination aus „La Mara“, Name einer gewalttätigen Schul- und Straßengang in El Salvador aus den 1960er-Jahren (die ihren Namen wiederum von den Marabunta-Ameisen ableitete, weil die alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt), und „Salvatruchas“, eine Bezeichnung für Mitglieder der Rebellenorganisation Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (in erster Linie Bauern, die als Guerillakämpfer ausgebildet wurden) ist. Die Zahl „13“ wurde später hinzugefügt, vermutlich als eine Art Hommage an die berüchtigte kalifornische Gefängnisgang Mexican Mafia.

Schnell wurden Mitglieder der Mara in Gewaltverbrechen verwickelt. Weil ihre Mitglieder als Guerillas ausgebildet worden waren und Erfahrung im Stadtkampf hatten – und damit ihren Konkurrenten bei kämpferischen Auseinandersetzungen überlegen waren –, stand die Mara im Ruf, zu den gewalttätigsten Gangs der Stadt zu zählen. Die Polizei wurde auf die Gang aufmerksam: Festgenommene Gangmitglieder wurden deportiert und nach El Salvador zurückgeschickt, wo man sie zunächst im Guezaltepeque-Gefängnis im Norden des Landes aufnahm. Im Gefängnissystem wuchs und gedieh die MS-13, unkontrollierbar, unaufhaltsam. Langsam breitete sich die Gang auch auf den Straßen der Städte aus, wo sie stetigen Zulauf erhielt. Neue Clikas der Mara schossen wie Pilze aus dem Boden.

Die Jugend in El Salvador, ohne Zukunftsaussichten und Vorbilder, bewunderte die stolzen und ungebrochenen Mitglieder der Mara, die sich einem strengen Regelwerk unterwarfen sowie gut organisiert auftraten und damit eine Alternative boten zu den chaotischen Zuständen im Land. Eines der aus Amerika deportierten Ur-Mitglieder der Mara erzählt, dass es bei seiner Rückkehr in sein Dorf eines von drei MS-13-Mitgliedern war. Bereits einen Tag später war die Clika auf 40 Mitglieder angewachsen, so groß war die Nachfrage. Binnen kürzester Zeit war die Mara Salvatrucha die größte Gang in El Salvador. In Honduras und Guatemala wurden die ersten Clikas gesichtet.

Die Mara gilt als eines der größten Probleme Zentralamerikas. Sie ist eine perfekt organisierte Verbrecherorganisation, die mit unerbittlicher Härte gegen ihre Konkurrenz, vor allem die MS-18-Gang, und die zivile Bevölkerung vorgeht. Und nicht nur das: Mittlerweile leistet sie sich auch gewaltsame Opposition gegen Polizei und Regierung. 1997 wurde der Sohn des honduranischen Präsidenten Ricardo Maduro von Mitgliedern der MS-13 entführt und ermordet. Regierungsmitglieder in Honduras werden bedroht und erpresst. Die Polizei fand die entstellte Leiche eines Mannes mit einer Nachricht an den Präsidenten von Honduras, dass weitere Menschen sterben und die nächsten Opfer Polizisten und Journalisten sein würden. Im Jahr 2004 erhielt der Präsident von Guatemala, Oscar Berger, ähnliche Drohungen.

Im Jahr 2002 stiegen Mitglieder der Mara in einen Bus im honduranischen Tegucigalpa, in dem sich 28 Menschen, darunter sieben Kinder, aufhielten, und brachten alle um. Anschließend schmierten sie Drohungen an die Außenwand des Busses.

Honduras war das erste Land, das drastische Maßnahmen nach Vorbild der Zero-Tolerance-Politik in den USA in die Wege leitete, um dem außer Kontrolle geratenen Problem Einhalt zu gebieten. Strenge Anti-Gang-Gesetze wurden erlassen. Fortan war es illegal, auch nur Verbündeter einer Gang zu sein. Wer aussah, als könnte er einer Gang angehören, konnte verhaftet werden. El Salvador erließ ein ähnliches Gesetz, das „Mano Dura“ –„harte Hand“ – getauft wurde. 2004 folgte Super Mano Dura, ein Gesetz, das noch weiter griff und der Polizei noch mehr Rechte beim Kampf gegen Ganggewalt einräumte. Ein Verdächtiger lief Gefahr, zwölf Jahre ins Gefängnis gesteckt zu werden, auch wenn er kein Verbrechen begangen hatte. Ein Gang-Tattoo reichte als Beweismittel. In Mexiko begann man 2004, stärker gegen die Mara Salvatrucha vorzugehen. Auf einen Schlag wurden 300 Gangmitglieder verhaftet, mit der Begründung, sie stellten eine Bedrohung der Gesellschaft dar.

Beim Kampf gegen die Mara wird längst nicht mehr nur zu legalen Mitteln gegriffen. In El Salvador hört man vermehrt von Todesschwadronen, vergleichbar mit der Sombra Negra, die zu Bürgerkriegszeiten unliebsame Regimekritiker beseitigte und Schrecken über das Land brachte. Sie betrachten sich als selbsternannte Henker, stehen aber vermutlich deshalb nicht im Fokus der Medien, weil sie keine Massenhinrichtungen inszenieren, sondern ihre Opfer einzeln oder höchstens in kleinen Gruppen töten. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Opfern um Gangmitglieder, aber auch andere Verbrecher. Die Bevölkerung befürwortet das Vorgehen. Die Regierung weist Vorwürfe zurück, sie würde diese Todesschwadronen unterstützen, aber es wird angenommen, dass selbige sich aus Polizisten und Mitgliedern des Militärs zusammensetzen.

Der Ausbreitung der Mara stehen derartige Maßnahmen aber kaum im Wege, was unter anderem daran liegt, dass die Gang es ihren Mitgliedern quasi unmöglich macht, wieder auszusteigen. 2004 machte die Geschichte des 16-jährigen Gangmitglieds Edward Guzman Schlagzeilen, der Guatemala im Alter von 14 Jahren den Rücken zukehrte und in die USA auswanderte, um der MS-13 zu entfliehen. Am 10. März 2004 wurde er von der Polizei aufgegriffen und wieder in sein Heimatland zurückgeschickt. Mehrere Tage versteckte er sich im Haus seiner Eltern. Als er das Haus am 20. März schließlich verließ, kam er genau fünf Straßen weit, dann wurde er erschossen, vermutlich als Bestrafung dafür, dass er die Mara verlassen hatte.

Vor allem in Zentralamerika ist die Mara Salvatrucha in eigentlich allen Ländern verbreitet. Auch die Mitgliederzahl in den nordamerikanischen Großstädten, vor allem mit hispanischer Bevölkerung, wächst. Mittlerweile bilden sich in Europa erste Clikas. Vor allem in Spanien ist die MS-13 im Kommen. Aber es heißt, dass es mittlerweile auch in Deutschland an die 200 Mareros geben soll.