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UMSTÄNDLICH VERLIEBT: Plötzlich Vater – Was nun?

05.11.2010 16:43

In „Umständlich verliebt“, der am 11. November im Kino anläuft, erfüllt sich die Single-Frau Kassie (Jennifer Aniston) mittels Samenspende ihren sehnlichen Kinderwunsch. Von dem kleinen Missgeschick mit dem kostbaren Spendermaterial, das ihrem besten Freund, dem neurotischen Wally (Jason Bateman) passiert, ahnt sie nichts. Als der ihren - leicht neurotischen - Sohn nach sieben Jahren endlich kennenlernt, drängt sich ihm der Verdacht auf, er selbst könnte der Vater des Jungen sein. Eine Erkenntnis, die ihn zunächst völlig aus der Bahn wirft. Das geht vielen Männern so, die quasi über Nacht zum Papa werden…

Der große Moment
Jenseits der Kinoleinwand kommt eine Vaterschaft natürlich nicht ganz so überraschend. Im Idealfall hat Mann schließlich gute neun Monate Zeit, um sich auf die bevorstehende Veränderung vorzubereiten und sich den Moment der Geburt auszumalen, von der alle Welt behauptet, es sei der emotionalste Augenblick im gesamten Prozess des Elterndaseins. In Wahrheit entpuppt sich die Ankunft des kleinen Rackers oft als langwieriger, nervenzerreißender und ermüdender Akt, der sich gern mal über mehrere Schichtwechsel von Hebammen und Pflegepersonal hinziehen kann. Und wenn der frisch gebackene Papi das zerknautschte, bläulich-rosa Wesen dann endlich im Arm hält, wird er statt von der erwarteten Endorphin-Ausschüttung eher von einem Gefühl erschöpfter Erleichterung übermannt. Begleitet von ungläubigem Staunen und dem Gedanken: „Das also ist die Frucht meiner Lenden. Nun gut…“

Vaterlust und Männerfrust
Während die Kindesmutter meist völlig überwältigt ist vom Moment der Geburt, setzt die Emotionalität frisch gebackener Väter oft leicht zeitverzögert ein. Dann aber sind sie voll bei der Sache, betrachten stundenlang mit leicht debilem Grinsen ihr schlafendes Baby und überprüfen in regelmäßigen Abständen, ob der kleine Neuankömmling auch noch atmet. Erst nach einigen Wochen, wenn sich die erste Euphorie über die neue Dreisamkeit etwas gelegt hat, beschleicht sie die leise Gewissheit, dass nun ein wahrscheinlich langer Zeitraum sexueller Abstinenz vor ihnen liegt. Da nützen auch die zaghaften Anfragen bei der geliebten Kindesmutter wenig. Es sei sogar dringend davon abgeraten. Bleibt also nur, neidisch bis zerknirscht dabei zuzuschauen, wie der süße Knirps selig an Ihrer Brust nuckelt, über die Mann bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch alleiniger Herr und Meister war. Kein Wunder, dass sich viele Neu-Väter mit ihrer Männlichkeit aufs Abstellgleis verbannt fühlen. Doch als wüsste die Kinderwagen-Industrie von dieser Misere, hilft sie mit ultramodernen Hightech Kinderkutschen etwas nach. Denn kaum hat der frische Vater einen brandneuen „Quinny Speedi SX Raven“ mit integriertem Maxi-Cosi-Adapter in den Händen, schiebt er den Nachwuchs mit stolz geschwellter Brust durch die Stadt und klärt fachmännisch jeden, der es nicht hören will, über die weiche Federung und die extra-breiten Reifen des Kinderwagens auf. Den vertrauten Duft von Asphalt in der Nase, kann Papa sich – zumindest auf der Straße – wieder als echter Mann fühlen.

Nach dem Wickeln ist vor dem Wickeln
Für den modernen Vater wird auch das tägliche Windelnwechseln zur Männersache und mit geduldiger Sorgfalt bis zu 12-mal täglich erledigt. Zumindest so lange, wie der kleine Zögling ausschließlich von Muttermilch ernährt wird. Doch früher oder später kommt der Tag, an dem der kleine Spross seinen ersten fleischhaltigen Gemüsebrei nährstoffbereinigt in die Wohlfühlwindel drückt. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen, denn dann zeigt sich, was wahre Liebe ist. Der erste Schock – meist gepaart mit einem reflexartigen Würgen – angesichts dieser übel riechenden Kinderüberraschung ist jedoch schnell überwunden. All jenen engagierten Vätern, die sich wildentschlossen in das Abenteuer Elternzeit stürzen und mehrere Monate lang den Ganztagsvater und Hausmann geben, bleibt ohnehin nichts anderes übrig, als schnell zu lernen, wie man bei den ersten Anzeichen dicker Luft auf Mundatmung umstellt. Außerdem hat sich diese exotische Spezies Mann noch ganz anderen Herausforderungen zu stellen. Etwa den ungeahnten Schwierigkeiten, unterwegs eine geeignete Wickelmöglichkeit zu finden. Da kommt es durchaus vor, dass sich dem verzweifelten Neu-Papi und seinem bis zum Hals in Schwierigkeiten steckenden Kinde eine resolute Klofrau in den Weg stellt und ihm den Zugang zum einzigen Wickeltisch des hochmodernen, durchdesignten Shopping-Tempels verweigert, der sich – wo sonst? – selbstverständlich auf der Damentoilette befindet und von dort aus die männliche Emanzipation verhöhnt. Doch in jedem Vater schlummert irgendwo dieses MacGyver-Gen, das in solch ausweglos scheinenden Lagen den rettenden Einfall parat hat. Dann wird kurzerhand der Kofferraum des Familien-Vans zur Wickelstation und aus Küchenrolle und zwei Metern Gaffer-Tape eine frische Windel für den kleinen Hosenscheißer gebastelt. Selbst ist der Mann.

Genau wie im wahren Leben dauert es auch bei Wally eine Weile, ehe er sich an den Gedanken seiner plötzlichen Vaterschaft gewöhnt. Doch ist dieser Schritt erstmal getan, wächst auch er über sich hinaus und stellt sich in „Umständlich verliebt“ (Kinostart: 11.11.) der wohl größten Herausforderung seines Lebens.



 


 
 

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