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Albert Uderzo wird bald 90 - Geburtstags-Interview

 
 

In nur fünf Tagen wird der Grandseigneur des Französischen Comics Albert Uderzo 90 Jahre alt. Der Asterix-Vater blickt stolz auf sein Team und auf das Phänomen "Asterix". Im Jahre 1959 traten die von René Goscinny und Albert Uderzo erschaffenen Figuren ihren unvergleichlichen Siegeszug an. Inzwischen wurden ihre Abenteuer weltweit mehr als 370 Millionen Mal verkauft und in 110 Sprachen und Dialekte übersetzt - und sind damit ins Guinness-Buch der Rekorde eingegangen!

Albert Uderzo freut sich, dass im Oktober das Ablum 37 Asterix in Italien im Handel erscheint - zum dritten Mal aus der Feder von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Seht hier das Geburtstags-Interview mit der Asterix-Legende.

Uderzo Interview

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Interview mit Albert Uderzo

Herr Uderzo, in einem früheren Interview haben Sie mal gesagt, dass das Arbeiten in der Comic-Branche Sie jung hält. Fühlen Sie sich deshalb im Moment jünger als Ihre 89 Jahre?

Bis vor einem Jahr habe ich mich jünger gefühlt. Seit 2017 fühle ich mich nicht mehr so jung. Ich bin gesundheitlich angeschlagen. Bis dahin hatte ich das Glück, immer gesund zu sein. Dann hat der liebe Gott mir vielleicht sagen wollen, dass es keinen Grund gibt, warum ich immer gesund sein sollte. Jetzt geht es aber schon etwas besser.

Was planen Sie zu Ihrem 90. Geburtstag? Wird es ein großes Fest geben hier in Paris?

Der Albert-René-Verlag plant eine Art großes Familientreffen mit vielen Leuten, anderen Zeichnern. Ich weiß nicht, wer alles eingeladen ist, aber ich denke, es werden viele sein. Ich hoffe, ich bin an dem Tag nicht krank. Das wäre wirklich Pech.

Sie haben Kirk Douglas immer bewundert und haben ihm in „Obelix auf Kreuzfahrt“ Ihre Hommage erwiesen. Douglas hat vor einigen Monaten seinen 100. Geburtstag gefeiert. Träumen Sie auch davon, 100 Jahre alt zu werden?

Ich habe Kirk Douglas nie persönlich kennengelernt, ich kenne ihn nur aus seinen Filmen. Er tut sicher gut daran, so alt zu werden, denn er ist angeblich noch recht fit. Ich wage kaum zu hoffen, dass ich es so weit bringe wie er. Er ist als Schauspieler sehr erfolgreich gewesen, und selbst sein Sohn hat viele Filme gedreht und viele Erfolge gefeiert. Ich habe ihn wie gesagt leider nie kennengelernt. Das Foto, das Sie da sehen, ist von einem belgischen Journalisten, der in die USA reisen und Kirk Douglas treffen sollte. Er fragte mich: „Können Sie mir ein Album mitgeben, das ich Douglas überreichen kann?“ Das war das Album, in dem ich Douglas als Figur verewigt hatte. Der Journalist brachte es ihm und machte das Foto, auf dem sich Kirk Douglas als Comicfigur sieht und freundlicherweise dabei lacht. Das war für mich das schönste Geschenk.

Vor kurzem haben Sie „Asterix erobert Rom“, das Album zum Film, überarbeitet und neu herausgegeben. Was hat Sie bewogen, die Zeichenstifte wieder auszupacken?

Ich habe gar nicht so viel dazu beigetragen. Das Filmmaterial musste albumtauglich gemacht werden. Normalerweise ist es anders herum, man macht ein Album und dann einen Film daraus. „Asterix erobert Rom“ war als Film konzipiert, erst danach wollten wir ein Album daraus machen. So ist das, wenn man Comics macht. Man wählt als Ausgangspunkt entweder die Album- oder die Filmversion.

In „Asterix erobert Rom“ erweisen Sie Goscinny eine Hommage mit einer Zeichnung, die ihn in der Pariser Metro zeigt.

Es war immer mein Wunsch, Goscinny zu würdigen, weil er es verdient. Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 40. Mal. Er fehlt uns, er fehlt mir, mein Leben als Künstler ist seit seinem Tod nicht mehr dasselbe. Diese Tragödie, mit der niemand gerechnet hatte, hat mich tief getroffen. Ich habe die Figuren, mit denen ich eigentlich nicht mehr arbeiten wollte, zwei Jahre später wieder zum Leben erweckt, nachdem mir die Leser Briefe geschrieben hatten, in denen stand: „Herr Uderzo, Sie mögen ja einer der Schöpfer von Asterix sein, aber diese Figuren gibt es auch dank uns. Hätten wir nicht Asterix zu diesem Erfolg verholfen, dann wären Sie nicht da, wo Sie heute sind. Wir haben ein Recht darauf, dass Sie weitermachen und uns weiter so viel Freude bereiten.“ Da hab ich gedacht: „Wenn man mich so darum bittet, dann versuche ich weiterzumachen.“ Und ich habe 10 weitere Alben gemacht.

Die Asterix-Reihe wird inzwischen von zwei neuen Autoren fortgesetzt. Fehlt Ihnen das Zeichnen von Comics?

Nein, jetzt nicht mehr. Irgendwann musste ich ja mal in den Ruhestand gehen. Vor neun Jahren habe ich beschlossen aufzuhören. Wir hatten das Glück, dass wir zwei großartige Autoren gefunden haben, einen für das Szenario und einen für die Zeichnungen. Am Anfang merkte man ihnen an, dass sie sich erst mal auf die Reihe einstellen mussten. Jetzt geht es ihnen leicht von der Hand, und das merkt man auch. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Sie haben einmal gesagt, die Asterix-Reihe fremden Autoren zu überlassen sei ein bisschen so, als würden Sie einen Sohn zur Adoption freigeben. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Riesenerfolg, den Ferri und Conrad haben?

Ich finde das toll. Wenn sie keinen Erfolg hätten, hätte Asterix keine Leser mehr, und den Lesern haben wir wie gesagt alles zu verdanken. Ich kann diesen Erfolg nur anerkennen und mich darüber freuen. Hätten wir keinen Erfolg gehabt, hätten wir nicht weitergemacht, das ist klar. Aber der Erfolg ist ungebrochen, gerade in Deutschland. Das ist ein großes Glück für uns.

Der 37. Band erscheint im Oktober. Kontrollieren Sie die Arbeit Ihrer Nachfolger, geben Sie Ihnen Tipps und Ideen?

Nein, nein. Zu Beginn habe ich ein paar Anmerkungen gemacht, zu den Zeichnungen, nicht zum Text. Einige Zeichnungen mussten noch mal angefasst werden. Aber das ist jetzt nicht mehr notwendig, sie haben die Figuren gut im Griff. Ich kenne das Album und habe seine Entstehung mitverfolgt. Das Ergebnis ist tadellos. Die Leser können ganz beruhigt sein: Sie werden nicht enttäuscht werden.

Inzwischen ist bekannt, dass das neue Album in Italien spielen wird. Warum sind Asterix und Obelix in all den Jahren nur in Rom und niemals in anderen Städten Italiens gewesen?

Das Gleiche habe ich mich auch gefragt, als ich von dem neuen Album erfuhr. Ich sagte mir: „Wie dumm von mir! Da war ich immer auf der Suche nach neuen Ideen und habe nie an ein Wagenrennen in Italien gedacht!“ Dabei liebe ich Autos und Autorennen und kenne mich sehr gut damit aus, da hätte ich doch eigentlich darauf kommen können. Aber nichts da! [lacht] Zum Glück haben die beiden mir das abgenommen.

Macht es Sie glücklich, dass Ihre beiden Helden in diesem Band endlich das Heimatland Ihrer Eltern bereisen?

Ja, das freut mich. In Italien ist Asterix nicht so bekannt wie in Deutschland oder Frankreich. Ich denke, die Italiener sind keine großen Fans von fumetti, wie Comics dort genannt werden. Aber ich wurde erst vor kurzem von einer italienischen Stadt namens Lucca ausgezeichnet und habe mich sehr darüber gefreut.

Mit 14 haben Sie begonnen kleine Geschichten zu zeichnen. Ihr Bruder Bruno besorgte Ihnen damals einen Job beim Jugendmagazin „Junior“. Hat Ihnen das Zeichnen zu dieser Zeit geholfen, die Situation während des Krieges zu ertragen?

Nein. Mein älterer Bruder kam auf die Idee während der Schulferien. Ich wollte eigentlich Automechaniker werden wie er. Aber in den Ferien sagte mein Bruder: „Bevor Du die ganze Zeit mit Deinen Freunden auf der Straße rumhängst, suche ich Dir lieber einen Job bei einem Verlag.“ Er hatte mich öfter kleine Zeichnungen machen sehen. Also stellte er mich 1941 bei einem großen Verlag vor. Ich wurde genommen und durfte nicht nur die zwei Monate in den Ferien bleiben, sondern ein ganzes Jahr. Die Mechanikerschule ließ ich sein. Im Krieg, während der Besatzung, gab es in Paris wenig zu essen. Ich war 14 und in einem Alter, in dem man viel essen muss. Mein Bruder hatte eine Anstellung als Fahrer und Mechaniker in der Bretagne gefunden. Er holte mich zu sich, weil ich dort wenigstens Kartoffeln zu essen bekam. Immerhin Kartoffeln gab es! Es gab natürlich noch andere Sachen, aber auch dort war es schwierig. Aber in Paris war es noch viel schlimmer. Und so bin ich drei Jahre in der Bretagne geblieben. In der Zeit war an Zeichnen nicht zu denken. Als ich nach dem Krieg nach Paris zurückkehrte, fing ich zuerst in einem Trickfilmstudio an.

Ich kannte diese Branche nicht, fand sie aber reizvoll. Das hatte mit Walt Disney zu tun, wissen Sie. Es ist Walt Disney zu verdanken, dass praktisch alle Zeichner zu meiner Zeit diesen Berufsweg gewählt haben. Seine Figuren hatten einen solchen Erfolg, dass wir es ihm alle gleichtun wollten. Deshalb haben wir alle in einem Trickfilmstudio angefangen. Aber ich musste feststellen, dass das kein Beruf für mich war. Es ist ein sehr harter Job, man bekommt keine Anerkennung. Ich bin nur ein Jahr geblieben, das war 1946. Danach habe ich einen Job als Comiczeichner bei einer Zeitschrift gefunden. Da hat dann alles angefangen.

Sie haben mit 14 den Zeichner Calvo kennen gelernt. Hat er Ihren Stil beeinflusst? Etwa mit dem Comic „Die Bestie ist tot“?

Er war sehr talentiert. Dieses Album hat er während der Besatzung gemacht, daher konnte er es nicht veröffentlichen. Ich habe es erst nach dem Krieg gelesen. Ich besitze eine Ausgabe davon, sie steht da gleich hinter Ihnen. Er war ein großartiger Zeichner und unglaublich liebenswürdig. Ich habe ihn kennengelernt, weil wir beide für den gleichen Verlag arbeiteten. Wie alle Zeichner versäumte er häufig den Abgabetermin. Er wohnte bei der Porte de Montreuil und ich in der Rue de Montreuil, ziemlich weit davon entfernt. Der Verlagsleiter dachte, ich würde in der Nähe wohnen, weil die Adressen so ähnlich klangen. In Wahrheit wohnte ich ganz und gar nicht in der Nähe, denn ich wohnte im 11. Arrondissement und die Porte de Montreuil ist im 20. Arrondissement. Aber das sagte ich dem Verlagsleiter nicht. Und der Verlagsleiter sagte: „Hol die Zeichnungen von Calvo ab, er hätte sie uns eigentlich schon liefern müssen. Warte so lange, bis er die Zeichnungen fertig gestellt hat, und bring sie dann her.“ Ich sagte ihm nicht, dass ich die Metro nehmen musste, um zu Calvo zu kommen. Und so schaute ich ihm dabei zu, wie er seine Zeichnungen fertigstellte. Ich setzte mich neben ihn und schaute ihm beim Zeichnen zu. Das war wie der Himmel auf Erden für mich. Und er war wahnsinnig nett. Er hat mich viel unterstützt und mich bestärkt in dem, was ich tun wollte. Ich bereue sehr, dass wir uns nicht noch näher gestanden haben.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Planen Sie einen neuen Asterix-Film?

Ja, es wird zwei neue Filme geben, die aktuell produziert werden. Das eine wird eine Realverfilmung, also mit Schauspielern, und das andere ein Zeichentrickfilm, der von dem französischen Fernsehsender M6 produziert wird. Heute Nachmittag treffe ich die Leute, die die Realverfilmung drehen.

Um welches Asterix-Abenteuer wird es dabei gehen?

Ein ganz neues Asterix-Abenteuer, das speziell für diesen Film geschrieben wurde. So, jetzt habe ich Ihnen alles erzählt. Herzliche Grüße an alle Leser in Deutschland!

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Autor: Jochen Becker | Gesprächswert: 83%