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Hotel Lux - Interview mit Michael Bully Herbig

TS: Jürgen Vogel war schon bei "Wickie Und Die Starken Männer" dabei, aber hier spielt ihr zum erstenmal gemeinsam. Wie kam es dazu ?

Bully: Ich hatte Jürgen schon im Hinterkopf. Leander rief mich irgendwann an, und sagte "was hältst du denn von Jürgen Vogel ?" Ich meinte "Ja prima, Weltklasse, da rennst du offene Türen ein, nehmen wir". Und dann nahm das seinen Lauf, es war eher mal ein zeitliches Problem. Außerdem
hieß ich im Drehbuch erst "Vogel" und dann wollte man den Jürgen Vogel haben und dann hieß es das geht nicht, und dann hab ich gesagt, ich mach jetzt den "Zeisig".

TS: Planst du weitere Filme mit Jürgen Vogel ?

Bully: Ich bin kein Astrologe und kein Wahrsager, das kann ich nicht, das spiel ich nur. Aber Jürgen und ich sind am selben Tag geboren. Exakt! Seitdem wir das wissen, sind wir auch ein bisschen ein Pärchen. Wir beraten uns gegenseitig. Oft fragen wir uns auch "was ziehst denn du für ein Hemd heute an ? Wie ist das Wetter bei dir ?" Richtig kennen gelernt haben wir uns bei der Casting-Show "Bully sucht die starken Männer" und da hatten wir schon viel Spaß. Ich könnte mir uns gut vorstellen als Butch Cassidy und Sundance Kid oder sowas.

TS:Wie habt ihr den richtigen Ton für diesen Mix aus Abenteuer und Tragikkomödie gefunden ?

Bully Ich hab erstmal das Drehbuch gelesen und dann bin ich zugeschüttet worden mit Informationsmaterial über das Hotel Lux, das ich vorher nicht kannte. Ich glaube, dass es ein Großteil der Leute nicht kennt. Das ist schonmal gut, dass man sich dem Thema auf so eine Art nähert. Es wäre schön, wenn der ein oder andere sich danach an den Computer setzt und mal ein bißchen googelt. Man kann das nicht alles in den Film packen.
Ich habe aber irgendwann gemerkt ich wills gar nicht alles wissen. Es hat mich auch runtergezogen. Und die Figur, die ich spiele ist ein unwissender Komödiant, ein Humorist. Die klassische "Fish-ou-of-water-Geschichte. Er landet da und entdeckt stellvertretend für den Zuschauer dieses Hotel Lux. Das fand ich ausreichend für mich,wenn ich da nicht zuviel weiss. Es bringt nichts. Die Darstellung wäre kein bißchen besser oder schlechter geworden, wenn ich mehr Hintergrundwissen gehabt hätte. Ganz im Gegenteil.

TS: Deine Filmpartnerin Thekla Reuten hat bereits Hollywood-Erfahrung. Wie fandest du die Zusammenarbeit ?

Bully: Ich finde es toll, dass Jürgen und ich in ihrem Lebenslauf jetzt hinter George Clooney und Colin Farrell stehen.

Hotel Lux - Hans Zeisig


TS: Warum hast du ausgerechnet diesen Film gemacht, der ja im Vergleich zu ihren bisherigen Rollen doch deutlich ernster ist ?

Bully: "Was tust du da ?" Ich komme aus der Parodie, das ist korrekt und hab da auch recht gute Erfahrungen gesammelt in den letzten zehn Jahren. Aber es ist auch so, dass man ein bißchen müde wird, wenn man immer dasselbe macht. Ich habe schon bei "Wickie Und Die Starken Männer" versucht, einen Genre-Wechsel anzudeuten. Es war ja im weitesten Sinne Family-Entertainment. Und genau zu dieser Zeit besuchte mich der Produzent, Günther Rohrbach bei den Dreharbeiten am Walchensee und hat mir eine Stunde lang vom Hotel Lux erzählt. Ich wusste nicht was er will, es war Geschichtsunterricht für mich, sehr interessant und erst nach einer Stunde kam die Frage:"könnten sie sich vorstellen, das zu spielen ?" Da meinte ich erst nur "Oh, äh, achso, naja...schicken sie mir mal das Buch". Das hab ich dann bis zur Hälfte gelesen - ich muss dazu sagen, es war nicht das Drehbuch von Leander Haußmann - aber es war mir zu dramatisch, streckenweise auch zu brutal. Und da habe ich gedacht, ich glaube ich überfordere mich und die Zuschauer. Ich habe dann Herrn Rohrbach angerufen und gesagt "Bitte seien sie mir nicht böse, aber ich würde das gerne absagen". Er meinte nur "NEIN ! Sie sagen nicht ab !" "Doch!" "NEIN! Ich hätte ihnen das Buch nicht schicken sollen. Leander Haußmann sitzt jetzt dran, macht ne neue Fassung. Einigen wir uns darauf, dass sie NICHT ZUSAGEN." Das fand ich sehr charmant, hab auf das neue Buch gewartet und dann hab ich Leander gefragt "Was ist denn das jetzt für ein Film?" Man kann so ein Buch ja interpretieren. Und er hat gesagt "ne Mischung aus Verwechslungskomödie und ein bißchen Abenteuerfilm". Das hat mir erstmal gerreicht und dann wächst man da so rein. Für den Zuschauer kommt das jetzt vielleicht von heute auf morgen, dieser Film und ist vielleicht gewöhnungsbedürftig. Ich hatte die Möglichkeit mich zwei Jahre mit der Idee anzufreunden und habe mich am Ende getraut, weil ich gemerkt hab, dass wir ein tolles Team haben., nicht nur hinter sondern auch vor der Kamera. Das hat mir schon geholfen, da Kollegen zu haben, die mir Sicherheit geben und mit denen es Spaß macht, zu spielen.

TS: So fremd ist dir die Figur des Hans Zeisig ja auch nicht....

Bully: Ja, er ist Humorist, ein Komödiant, träumt von Hollywood, Tingeltangel. Da kann ich was mit anfangen.

TS: Im Film wird viel russisch gesprochen - auch von dir. Hast du wirklich die Sprache gelernt oder nur die einzelnen Sätze ?

Bully: Naja, es war in erster Linie phonetisch. Thekla Reuten ist die Streberin unter uns sie kann den Text immer noch. Thekla spricht ja fünf Sprachen. Unsere Lehrerin meinte, sie könnte jetzt jederzeit in einem russischen Film mitspielen. Ich dachte mein Russisch wär auch sehr gut. Ich fragte sie "hört man wo ich herkomme, hab ich einen Akzent" ? und sie sagte "Ja!". Das hat mich sehr überrascht, denn ich hör keinen deutschen Akzent bei diesem Russisch. Für mich klingt´s relativ gut. Ich habe aber alles vergessen. Sie hat mir das auf ein Diktiergerät draufgesprochen und dann haben wir uns das auswendig draufgeschafft. Außer "Spassiba" ist nicht hängengeblieben.
Man muß den Text lernen, man muß auf das Cue-Wort des Kollegen achten und dann muss man in etwa wissen was man sagt, damit das Spiel einigermaßen stimmt.

Hotel Lux - Das Team



 


 
 

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