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Interview mit dem neuen Spider-Man Andrew Garfield

FILM.TV: Freuen sie sich drauf, Spiderman in der geplanten Fortsetzung nochmal zu spielen.

Oh ja, das wäre wunderbar, ich liebe die Figur seit ich 3 Jahre alt bin, wenn ich ihn also für eine gewisse Zeit spielen kann, bin ich glücklich.

FILM.TV: Was gefällt ihnen an der Figur ?

Andrew Garfield: Ich mag, wofür er steht. Er ist eine mythische Figur, die am Leben gehalten werden muss, denn er ist ein Symbol der Hoffnung, des gegenseitigen Beschützens, des menschlichen Umgangs mit anderen und wie Macht in den richtigen Händen positiv wirken kann. Spider-Man setzt sich für die Unterlegenen ein und beschützt die Hilflosen. Es ist schön für kleine Kinder, ihn als Vorbild zu haben. Das war er für mich als ich klein war. Wir hoffen , dass wir die Figur für eine weitere Generation am Leben halten können.

FILM.TV: Unterscheidet er sich von anderen Superhelden ?

Andrew Garfield: Ich glaube ja. Etwas an ihm ist menschlicher als bei anderen Helden wie Bruce Wayne. Er ist ein normaler Typ, der Ungewöhnliches durchmacht. Ich finde es wunderbar, dass Peter Parker eine heldenhafte Ader hat, bevor er gebissen wird. Ich glaube viele können sich damit identifizieren und spüren den Drang, Ungerechtigkeit zu bekämpfen, haben aber nicht die Mittel.

FILM.TV: Was haben sie an ihrem eigenen Teenager-Dasein gehasst ?

Andrew Garfield: Überhaupt ein Teenager zu sein war ziemlicher Mist. Dann die Hormone, man wusste damals nicht, was das ist und dachte man wird verrückt. Und die Liebe. Die kann in dem Alter erschreckend sein, wenn einem das Herz bricht. Das habe ich ein paar Mal durchgemacht. Jetzt schau ich gerne darauf zurück weil ich es hinter mir haben und das Erlebnis verklären kann.
Im Filme durfte ich jetzt nochmal ein Teenager sein – aber diesmal war ich Spider-Man. Da ist ein Traum wahrgeworden. Ich hatte Glück. Es war wohl das letzte Mal, dass ich einen Teenager spielen konnte.

FILM.TV: Waren sie als Teenager schon Schauspieler ?

Andrew Garfield: Ich habe mit 16 Jahren beim Schultheater angefangen, denn ich war eine Heulsuse, ein sensibles Kind, ich brauchte einen Platz wo ich Heulen konnte. Im Schauspielunterricht ging das.

FILM.TV: Waren sie damals schutzbedürftig oder selbst ein Beschützer ?

Andrew Garfield: Beides. Weil ich das Gefühl hatte, selbst Schutz zu brauchen, hatte ich auch Mitgefühl für Leute die Hilfe brauchten. Dass ich dünn und schmächtig war und der jüngste Bruder in meiner Familie, hat mich geprägt. Der jüngste Bruder ist laut Sigmund Freud ganz anders als der älteste Bruder..

FILM.TV: Wurden sie verhätschelt ?

Andrew Garfield: Ja, ich komme aus einem gesicherten Mittelschicht-Familie, meine Eltern gaben uns alle Möglichkeiten, die wir brauchten, also wurde ich schon etwas verwöhnt. Aber ich fühle auch die Verantwortung, andere schwache, schmächtige Kinder und Außenseiter zu beschützen. Das hat mit ein paar blaue Augen und Schrammen eingebracht. Deswegen mag ich Peter Parker so. Er ist ein Symbol der Hoffnung, dafür, das Richtige zu tun auch wenn es einen verletzt.









FILM.TV: Sie spielen als Brite eine amerikanische Ikone. Haben sie da mal gezögert ?

Andrew Garfield: Ich bin auch zur Hälfte Amerikaner, ich bin in den USA geboren. Aber das ist egal. Ich fühle mich der Figur verbunden. Eins der besten Dinge an Spider-Man ist, dass man keine Hautfarbe und keinen kulturellen Hintergrund sieht, wenn er im Anzug steckt. Er ist der einzige Superheld, der von Kopf bis Fuß verhüllt ist. Das macht ihn für afrikanische Kinder genauso zur Identifikationsfigur wie für deutsche, amerikanische oder englische Kinder. Ich hätte die Rolle nicht übernommen, wenn ich mir der Verantwortung nicht bewusst gewesen wäre. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Als ich drei Jahre alt war, war Spider-Man mein erstes Halloween-Kostüm. Er war mein Held. Mit dem Kinder-Foto von mir haben wir die Anzugträger im Studio total manipuliert, so daß sie sagen“oh, wie süß, wir müssen ihm die Rolle geben.“ (grinst)

FILM.TV: Wissen sie noch, wie sie sich vor zwei Jahren gefühlt haben, als sie der Welt als neuer Spider-Man vorgestellt wurden ?

Andrew Garfield: Klar, das werde ich nie vergessen. Ich fühle mich immer noch so, es ist ein großer Mischmasch an Gefühlen, es ist eine Ehre, aber auch großer Druck. Mein Leben verändert sich und ich muss dieses wichtige Symbol für eine ganze Generation von Kindern am Leben erhalten.

FILM.TV: Was war ihr erster Kontakt mit Spider-Man ?

Andrew Garfield: Das war die Trickfilmserie. Einen Typen zu sehen, der sich durch New York schwingt – das hat meine Vorstellungskraft gefesselt. Ich mag aber inzwischen auch die Comicreihe „Amazing Spider-Man“, neulich habe ich auch die „Torment-Saga“ entdeckt, die großartig ist, und die „Ultimate“-Comics. Aber die Original-Comics von „The Amazing Spiderman“ sind mir die Liebsten.

FILM.TV: Sind schüchterne Typen attraktiver ?

Andrew Garfield: Jaaaa ! Nein ehrlich, ich weiß nicht. Die Welt verändert sich und die Vorstellung was Frauen und Männer ausmacht, verändert sich. Die Entwicklung der Gleichberechtigung ist toll. Ich finde Frauen sollten die Welt regieren. Männer sind Idioten, ich selbst eingeschlossen. Frauen  sind intuitiver und anderen Menschn gegenüber empfindsamer. Sind sind von Natur aus fürsorglicher und haben Gemeinschaftssinn, das vermute ich zumindest auf Grund meiner Erfahrungen mit Frauen. Sie sind selbstloser als wir. Wir Männer.agieren nach dem Motto „teile und herrsche“ während die Frauen hegen und pflegen. Das ist eine viel positivere Lebenseinstellung. Wir alle sollten die feminine Seite in uns entdecken.

FILM.TV: Spiegelt sich diese Veränderung im Film wieder ?

Andrew Garfield: Möglicherweise unterbewusst. Die Superhelden sind Symbole für das, was wir selbst sein wollen.

FILM.TV: Wer sind ihre Helden im wahren Leben ?

Andrew Garfield: Meine Mutter, und Regisseur Mike Nichols, mit dem ich gerade gearbeitet habe und Philip Seymour Hoffman, , Peter Mullen, Robert Redford, George Harrison- ich habe gerade eine Doku über ihn gesehen. Ich mag vor allem Künstler wie Van Gogh und glaube an die Macht der Kunst. Ein anderer Held ist mein Bruder, der Arzt ist und der fantastische Journalist des Guardian, der die Murdoch-Story über die Abhöraffäre bei „News Of The World“ enthüllt hat. Der ist ein Held für mich. Er hat die Schurken geoutet – genau das was Peter Parker machen will.

FILM.TV: Wäre das eine neue Rolle für sie ?

Andrew Garfield: Oh ja, da würde ich Ja sagen.


FILM.TV: Was war die größere Herausforderung: Spiderman zu werden, oder in die Fußstapfen von Tobey Maguire zu treten ?

Andrew Garfield: Definitiv Spiderman. Tobey hat mir Mut gemacht und mir seinen Segen gegeben, er war sehr großzügig. Es ist schon schwer, nach ihm in die Rolle zu schlüpfen, weil Tobey so ein großartiger Schauspieler ist und der Rolle wirklich gerecht wurde. Es ist mir eine Ehre, ihm zu folgen. Ich empfinde vor allem den Druck von Stan Lee und will dass die Figur so lebendig wie möglich wirkt.

FILM.TV: Machen sie sich Sorgen, was die Fans vom neuen Spiderman halten

Andrew Garfield: Ich habe da keine Angst. Was soll man machen ?  Man kann nur sein Bestes geben und sich damit abfinden, dass man nicht alle glücklich machen kann. Jeder wird seine Meinung und Empfindung haben und das ist in Ordnung. Aber ich hoffe irgendwer mag den Film, wenigstens eine Person. Vermutlich meine Mutter.

FILM.TV: Halten sie sich gerne fit oder machen sie das nur weil sie Spiderman spielen ?

Andrew Garfield: Nein, dass ist nur Teil des Jobs. Es hat mir gefallen, daß ich dafür bezahlt werde ins Fitnessstudio zu gehen, aber wenn ich keinen guten Grund habe mache ich das nicht. Ich treibe gerne Sport, aber Gewichte stemmen stürzt mich immer in eine existenzielle Krise. Wenn man das immer wieder macht und nicht weiß warum, dann sind das sehr seltsame 90 Minuten. Nachher fühlt man sich gut, aber währenddessen kommt man sich sehr blöd vor.

FILM.TV: Sie haben bei den Action-Szenen mit den berühmten Armstrong-Brüdern gearbeitet…

Andrew Garfield: Ich habe mehr mit Andy Armstrong gearbeitet , dem jüngeren Bruder von Vic Armstrong. Andy  leitet das Stunt-Team, und Vic das zweite Kamera-Team.. ndy entwirft die Stunts und kreiert eine verschworene Gemeinschaft. Er hat mich in diese witzige, intensive Familie aufgenommen und mich dazu getrieben mutiger zu sein als ich für möglich hielt. Ich werde ihm ewig dankbar sein. Wir sind gut miteinander klargekommen.und haben sehr eng zusammengearbeitet. Und Vic ist selbst eine Legende, er war Indiana Jones, er war James Bond und Gott-weiß-wer noch. Mit denen zu arbeiten war eine Ehre.

FILM.TV: Wieviele Stunts durften sie selbst machen ?

Andrew Garfield: 60 bis 70 Prozent. Das haben sie mir gesagt und ich vertraue ihnen da, weil es mich coolwirken lässt (grinst). Das sind nicht meine Worte, sondern die von Vic. Er wollte, dass die Rolle wirklich mir gehört und er vertraute mir, weil er sah, wie leidenschaftlich ich war.

FILM.TV: Für die Rolle haben sie auch Spinnen untersucht.Was fasziniert sie an denen ?

Andrew Garfield: Ich habe mir vor allem die Bewegungsabläufe angeguckt. Wir wollten den Film eine sehr natürliche Grundlage geben, also dachte ich „was passiert, wenn Spinnen-DNA und menschliche DNA vermischt werden?  Welche Folgen hat das ?“ Spider-Man ist nicht nur ein Typ im Kostüm der sich von Gebäude zu Gebäude schwingt. Er sollte sich anders bewegen. Abgesehen davon hab ich mich nicht mit Spinnen befasst. Ich bin kein Biologie-As wie Peter Parker. Ich habe keinen Hang zur Wissenschaft, damit tue ich mich schwer.
Ich hatte allerdings gerade zum erstenmal Kontakt mit einer Tarantel, die an mir hochgekrabbelt ist – das ist schon gruselig. Irgendwas an ihrer physischen Erscheinung erschreckt uns einfach.



 


 
 

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