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Im August In Osage County Trailer

Originaltitel: August: Osage County  |   Mit: Meryl Streep, Julia Roberts

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FSK Film: 12 | FSK Trailer: 6 | Länge: 121 Min | Kinostart: 06.03.2014 | ©  Tobis | Drama
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Duell der Diven





Die Meinung zum Film - von

Im Kino starten rund um die Oscarverleihung viele Filme, die auch beim renommiertesten Filmpreis im Rennen waren. Kein Wunder, denn so eine Trophäe lockt oft viele zusätzliche Zuschauer an. Darauf hatten auch die Macher des Dramas IM AUGUST IN OSAGE COUNTY spekuliert. Aber Meryl Streep und Julia Roberts gingen in Hollywood leer aus. Wie die beiden sich in diesem Familiendrama als Mutter und Tochter gegenseitig Zunder geben ist aber trotzem sehenswert.

Nach Jahrzehnten gemeinsamer Ehe veschwindet der Schriftsteller Beverly Weston (Sam Shepard; „Killing Them Softly“) über Nacht. Seine gesundheitlich angeschlagene Frau Violet (Meryl Streep, „Die Eiserne Lady“) bleibt allein zurück im verwohnten Haus, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Es seit denn man zählt die indianische Pflegerin, die ihr Mann kurz zuvor eingestellt hat, aber mit der „Indianerin“ will sie nicht zu tun haben.

Erstmals nach langer Zeit kommen Violets Töchter wieder nach Hause zurück um ihrer Mutter beizustehen. Doch die alte Dame macht es ihnen nicht leicht. Sie leidet unter einer Krebserkrankung, schluckt viel zuviele Pillen und lässt ihre Launen an allen und jedem aus. Ist das auch der Grund, warum Beverly verschwunden ist ? Zumindest erklärt es, warum die Töchter dem Elternhaus lange ferngeblieben sind. Doch wehe, jemand beginnt die Matriarchin zu kritisieren. Violet kann man es nicht recht machen, jede Schwäche wird blossgelegt. Die biedere Ivy (Julianne Nicholson, „Die Ex-Freundinnen Meines Freundes“) hat immer noch keinen Mann, die flippige Karen (Juliette Lewis, „Stichtag“) dagegen zuviele verschiedene Kerle und bei der immerhin verheirateten Barbara (Julia Roberts, „Larry Crowne“) kriselt es in der Ehe. Nach ihrer Ansicht sind die Kinder undankbare Versager. Und dann ist da noch die dauerplappernde Tante Mattie (Margo Martindale, „Beautiful Creatures“) mit ihrem ziemlich schlichten, arbeitslosen Sohn Little Charles (Benedict Cumberbatch, „Star Trek Into Darkness“) und ihrem Mann Charlie (Chris Cooper „The Amazing Spider-Man 2“). Der erträgt seine Ehe nur zugedröhnt und soll nun neues Familienoberhaupt sein ? Damit ist er völlig überfordert, wie sich schon beim Tischgebet zeigt. In diesem haus kann nur eine das Sagen haben. Und das war bislang Violet. Aber nach und nach proben ihre Töchter den Aufstand. Es ist der Auftakt einer bitterbösen Abrechnung. Alles was die Familienmitglieder seit Jahrzehnten an unterdrückten Gefühlen und Verletzungen mit sich herumschleppen, kommt bei diesem Familien-Dinner der anderen Art auf den Tisch.

„Ich sage nur die Wahrheit“

Mit mehreren hundert Vorstellungen am Broadway und einem Pulitzerpreis war schon das zugrundeliegende Theaterstück von Tracy Letts ein riesiger Erfolg. Kein Wunder, dass die Stars Schlange standen um hier mitzuspielen. Regisseur John Letts hatte freie Auswahl – und beste Connections als frühere Produzent der Serie „E.R.“ Da überrascht es nicht, dass auch George Clooney einer der Produzenten ist. Ein anderer ist der inoffizielle Herscher der Oscars Harvey Weinstein, der es wie kein anderer versteht, den Geschmack der Motion Picture Academy zu treffen. Diesmal ging die Rechnung jedoch nicht auf. Für zwei Oscars war „August Im Osage County“ nominiert. Damit zählte er nicht zu den großen Favoriten, zumal weder Film selbst noch das Drehbuch einer Nominierung für wert befunden wurden.

Letztlich gingen aber sowohl Julia Robert wie auch Rekord-Oscargewinnerin Meryl Streep leer aus. Dabei könnte man ihr eigentlich schon eine eigene Kategorie einrichten, damit andere öfter mal zum Zug kommen: Den Oscar für die beste Meryl Streep des Jahres. Auch diesmal liefert sie eine Galavorstellung ab. Beinahe schon bipolar pendelt ihr Charakter zwischen Delirium, Depression und Dominanz. Auch die anderen Darsteller lassen sich da nicht lumpen – mit Ausnahme von Juliette Lewis die als naives White-Trash-Flittchen dieselbe eindimensionale Figur abliefert wie in eigentlich allen ihren Filmen. Was die Qualität des Ensembles angeht, muss „Osage County“ sich sonst aber nicht hinter den anderen Favoriten verstecken.

„Dieses Irrenhaus ist mein Zuhause“

Inhaltlich und dramaturgisch hat der Film jedoch seine Schwächen. Dass „Osage County“ ursprünglich ein Theaterstück war, ist nicht zu übersehen. Ein paar lange Autofahrten und menschenleere Landschaftspanoramen können nicht darüber hinwegtäuschen. Im wesentlichen spielt sich die Handlung im verdunkelten, veralteten Elternhaus und in meist wütenden Wortgefechten ab. Die sind kaum weniger deprimierend als die öde Weite drumherum.
Im Trailer wird das als schrille Familienkomödie verkauft, aber der Humor ist doch oft sehr bitter. Zwei Stunden lang darf man dem Familienstreit zusehen mit allen Verletzungen,Vorwürfen, Enttäuschungen, unerfüllte Erwartungen, Gehässigkeiten, Lügen und Geheimnisse die sich im Laufe der Jahrzehnte angesammelt haben.

Es sind die ewig gleichen Streitigkeiten zwischen den Geschlechtern und den Generationen. Das erinnert stark an die Ensemble-Dramen von Robert Altman. Ist das nun zeitlos oder schlicht altmodisch ? Die Töchter haben alle ihre eigenen Probleme und ihre eigenes Leben und die Mutter wirft ihrer besorgten Brut Undankbarkeit vor. Schließlich hatten sie es doch so leicht im Vergleich zu ihr. Autor Tracy Letts findet es unterhaltsam, einer fremden Familie beim Selbstzerfleischen zuzusehen. Das ist wohl Geschmackssache.

Im Theater funktioniert das vielleicht, aber hier kommen Violet Weston und ihre Sippe einem nur selten wie echte Menschen vor. Auf die Dauer wirken die Konflikte überladen und konstruiert  und so manche Entwicklung hätte man eher in einem Rosamunde-Pilcher-Film erwartet. Recht sprunghaft wird zwischen Fürsorge und Vorwürfen, zwischen Wutausbrüchen und Versöhnung gependelt. „Im August In Osage County“ ist vor allem eine schauspielerische Leistungsschau aber so großartig es gespielt ist, originell ist es nicht. Wem das genügt, der darf angesichts der starken Besetzung gerne zugreifen.

 

Marcus Fliegel© Marcus Fliegel
 
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Infos zu "Im August In Osage County"

Die Story zu Im August In Osage County:Nach dem Selbstmord ihres Vaters versammeln sich die drei Schwestern Barbara, Karen und Ivy in ihrem Elternhaus. Die Frauen wollen ihrer Mutter Violet in dieser schweren Zeit zur Seite stehen. Doch Violet nutzt jeden Augenblick, um zu provozieren und zu sticheln. Die Situation eskaliert und pünktlich zum Leichenschmaus kommen die dunkelsten Familiengeheimnisse ans Licht.

Schauspieler:Julia Roberts, Meryl Streep, Ewan McGregor, Benedict Cumberbatch, Abigail Breslin, Chris Cooper, Dermot Mulroney, Juliette Lewis, Sam Shepard

Regie:John Wells

Produktion:Harvey Weinstein, George Clooney

Drehbuch:Tracy Letts

Filmmusik:Gustavo Santaolalla

Produktionsland & Jahr:USA 2013

- Facebook-Seite des Films / der Serie




Eure Meinung zu "Im August In Osage County"


Weitere Kommentare zu "Im August In Osage County":

tara Böses Familiendrama, selten so berührend inszeniert und gespielt. Hingehen. Ein Meisterwerk.

indianer.4 Netter Unterhaltungsfilm